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Ort: Europa  UkraineReisejahr: 2017

Inhaltsverzeichnis

Praktische Informationen in Kürze

Preis (März 2021)
    • Fallschirmsprung + Ausrüstungsverleih: 1250 UAH (~38 €)
    • Bustransfer ab Lwiw: 60 UAH (~2 €)
    • Sprungzertifikat: kleiner Aufpreis (optional)
    • Wissenswertes – im Juli 2017 zahlten wir für den Sprung nur 760 UAH (~25 €), und mit Anfahrt und Zertifikat kamen wir umgerechnet auf etwa 30 €. Zum Vergleich: In Polen kostete ein Sprung mit Lehrer damals etwa 185 € – in der Ukraine war es unglaublich billig.
Sprungplatz
    • Name: Flugplatz Tsuniv (30 km westlich von Lwiw)
    • Adresse: Aerodrome “Tsuniv” Gorodok district Lviv region
    • Wie komme ich hin? Am besten mit dem Bus des Veranstalters (siehe Treffpunkt) oder mit dem Auto. Öffentliche Verkehrsmittel fahren nur bis in den Ort Horodok, von dort müsstest du etwa 7 km mit dem Taxi fahren.
    • Kann ich den Sprungplatz auf der Karte sehen? Klar, klapp die Info unten auf.
Voraussetzungen
    • Körpergewicht – zwischen 45 und 100 kg,
    • Alter – mindestens 14 Jahre (bis zur Volljährigkeit ist die Zustimmung der Eltern nötig)
    • keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    • Kleidung – bequem, mit langen Ärmeln
    • Schuhe – mit dicker Sohle ohne Absatz, sie sollten den Knöchel stützen (knöchelhohe Schuhe). Vor Ort konnte man solche Schuhe ausleihen
Treffpunkt
  • Ort: Tankstelle BRSM Oil (АЗК БРСМ-Нафта) – gegenüber dem Einkaufszentrum Skrynia
  • Adresse: Horodotska St, 116, Lviv, Lviv Oblast, Ukraine, 79000
  • Abfahrt: freitags um 17:00 Uhr, samstags und sonntags um 8:00 Uhr
  • Zweck: Von dort fahren Kleinbusse, die die Teilnehmer zum Flugplatz bringen
  • Sollte ich die Busfahrt reservieren? Ja, dafür musst du dich vorher beim Veranstalter melden.
  • Kann ich den Treffpunkt auf der Karte sehen? Klar, klapp die Info unten auf.
Daten zum Sprung
    • Höhe: 800 m
    • Flugzeit: etwa 2 Minuten 30 Sekunden
    • Sinkgeschwindigkeit: etwa 3 m/s
    • Öffnung des Fallschirms: automatisch 2–3 Sekunden nach dem Absprung
    • Fallschirmtyp: DU-1-5U (sowjetisches Militärmodell)
    • Reserveschirm: kleiner, vor dem Bauch – falls sich der Hauptschirm nicht öffnet, muss man ihn selbst ziehen (angeblich ist das noch nie vorgekommen)

Erste Schritte

Am Tag vorher reservierten wir den Sprung und die Plätze im Bus, indem wir dem Veranstalter über seine Facebook-Seite schrieben (siehe externe Links). Am Sprungtag schafften wir es gegen Mittag noch, das Insomnia zu besuchen – ein Horrorhaus und Escape Room in Lwiw (mehr im Beitrag über Lwiw). Gegen Abend fuhren wir mit Uber zum Treffpunkt an der Tankstelle (gut 2 km für ca. 1 € zu viert), von wo eigens bereitgestellte Kleinbusse – am Ende zwei oder drei – alle zum Flugplatz brachten. Mit uns fuhr Damian, den wir am Tag zuvor kennengelernt hatten. Auch Piotrek sollte dazukommen, schaffte es aber nicht zum Flugplatz – wir trafen uns erst später.

Die Straße dorthin ist mit Schlaglöchern „gepflastert“, und als wir ankamen, hatte ich das Gefühl, die Zeit sei hier noch im Kommunismus stehen geblieben. Der Flugplatz selbst sieht auf den ersten Blick aus wie aus den „guten alten Zeiten“ – alte postkommunistische Gebäude, alte Flugzeuge, graue, schmutzige Militärfallschirme, Helme (auf einem stand sogar USSR, aber leider hatte ihn jemand vor mir reserviert). Nach der Ankunft stellt man sich in die Schlange am Kassenraum, wo man zusätzlich irgendein Dokument unterschreiben muss (wir wissen nicht einmal genau, was, weil alles auf Ukrainisch war). Danach gingen wir zur Einweisung, bei der wir die einzigen Ausländer waren. Trotzdem rechneten wir mit einer Schulung auch auf Englisch – die Website des Veranstalters war auf Englisch und wirkte professionell. Wie groß war unsere Überraschung, als sich herausstellte, dass sie nur auf Ukrainisch stattfand.

– Und ihr Polen, versteht ihr das?
– Ja, so einigermaßen.
– Charascho, weiter!

Schulung

(Schau dir das Video oben von Anfang an an) Zum Glück ist Ukrainisch dem Polnischen sehr ähnlich, sodass wir einiges verstehen konnten. Der Trainer war super – er lockerte die Stimmung auf und sah aus wie ein Kommandosoldat. Nach der Theorie kam die Praxis – zuerst lernten wir, richtig zu landen, indem wir aus dem Stand sprangen und dann von einem kleinen Podest. Beim Sinkflug fällt man mit etwa 3 m/s, bei einer falschen Landung kann man sich also das Bein brechen. Die Landung ist der wichtigste Teil des Sprungs – ein bisschen wie ein Sprung aus drei Metern Höhe. Wir übten so lange, bis es jeder verstanden hatte. Außerdem lernten wir, den Fallschirm zusammenzulegen – jeder von uns musste einen packen. Nach der Landung muss man ihn irgendwie vom Boden aufsammeln und zurücktragen. Nach Theorie und Praxis gingen wir ins Lager, um Helm, Hauptschirm und Reserveschirm anzulegen und alles richtig festzuschnallen (darum kümmerten sich die Lehrer). Dann trugen wir die ganze Ausrüstung aufs Flugfeld. Der Fallschirm wog etwa 23 kg, das Laufen mit diesem Gewicht war also sehr anstrengend. Erst recht für Patrycja, für die das etwa die Hälfte ihres Körpergewichts war.

Der Fallschirmsprung

(Ab 2:05 ansehen) Der Sprung erfolgte nach militärischem System. Wir waren mit einer Leine an einer Vorrichtung eingehakt, über die nach 2–3 Sekunden ein Mechanismus den Fallschirm öffnete – bis dahin spürte man beim Absprung eine enorme Beschleunigung. Schon bei der Schulung wurden wir in eine feste Reihenfolge für den Sprung gebracht – jeder hatte seine Nummer. Bei jedem Flug waren zwei Gruppen zu je sechs Personen an Bord. Zuerst sprang die Gruppe näher an der Tür, dann die zweite (wir). Dieses System erzwingt die Reihenfolge – würde jemand nicht springen, könnten die anderen auch nicht springen, also würde ein Zögernder einfach hinausgeschubst. Theoretisch sollten wir beim Sinken darauf achten, dass der Wald auf unserer Seite blieb, und wir wurden per Megafon gelenkt: Die Lehrer riefen unsere Nummern auf und sagten, in welche Richtung wir steuern sollten. In der Praxis war es in dieser Höhe schwer zu verstehen, welche Nummer und welche Richtung sie meinten, also machten die meisten einfach, was sie für richtig hielten. Für eine richtige Landung musste man die Knie beugen, die Füße flach halten und zum Horizont schauen. Nach der Landung rollten wir unsere Fallschirme zusammen und gingen zum Vereinsgebäude. Dort hakten wir unseren Namen auf der Liste ab, gaben die Ausrüstung zurück, bekamen das Sprungzertifikat und machten ein Foto. Zum Schluss gab es noch eine Art Springertaufe – der Cheftrainer „bearbeitete“ uns leicht mit einem Reserveschirm, danach machte jeder einen Sprung nach vorn. Es stellte sich heraus, dass auch ein Fotograf im Preis inbegriffen war – dank ihm haben wir viele Erinnerungsfotos von jenem Abend.

Wir fuhren zurück nach Lwiw und verbrachten den Abend in größerer Runde, u. a. mit Lew, den wir nach dem Sprung kennengelernt hatten. Für mich war dieser Sprung vor allem ein gewonnener Kampf gegen meine Höhenangst.

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