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Ort: Europa  DeutschlandReisejahr: 2019, 2020, 2022~12 Min. Lesezeit

Von 2019 bis 2023 habe ich in Berlin gewohnt und in dieser Zeit viele Orte besucht, die an die Geschichte des 20. Jahrhunderts erinnern: an den NS-Terror, den Holocaust, den Zweiten Weltkrieg und die Teilung der Stadt durch die Mauer. Die meisten davon beschreibe ich ausführlicher in anderen Beiträgen, hier habe ich diese Gedenkorte in Berlin zu einer Route zusammengestellt. Zu jedem Ort gibt es eine kurze Beschreibung, das Datum meines Besuchs und einen Link zum längeren Text. Die Reihenfolge der Abschnitte ist ein Routenvorschlag: zuerst die Orte im Zentrum, die du zu Fuß ablaufen kannst, dann die, zu denen du mit der S-Bahn oder U-Bahn fahren musst. Der Eintritt ist überall frei.

Inhaltsverzeichnis

  1. Topographie des Terrors und die Ruine des Anhalter Bahnhofs
  2. Der Ort des ehemaligen Führerbunkers
  3. Denkmal für die ermordeten Juden Europas
  4. Am Reichstag – das Sinti-und-Roma-Denkmal und die Solidarność-Gedenktafel
  5. Sowjetische Ehrenmale – Tiergarten und Treptower Park
  6. Neue Wache – die Zentrale Gedenkstätte Deutschlands
  7. Bebelplatz – Ort der Bücherverbrennung 1933
  8. Bahnhof Friedrichstraße – das Kindertransport-Denkmal
  9. Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße
  10. Wittenbergplatz – das Mahnmal „Orte des Schreckens“
  11. Breitscheidplatz – Gedächtniskirche und Gedenkort für die Opfer des Anschlags
  12. Haus der Wannsee-Konferenz
  13. Praktische Informationen

Topographie des Terrors und die Ruine des Anhalter Bahnhofs

Am besten beginnst du die Route an der Topographie des Terrors in der Niederkirchnerstraße. Von 1933 bis 1945 befanden sich hier die Zentralen der Gestapo, der SS-Führung und des Reichssicherheitshauptamts. Heute gibt es hier ein kostenloses Dokumentationszentrum mit einer Ausstellung über den NS-Terror. Entlang der Straße ist ein Stück der Berliner Mauer erhalten, dahinter steht das Gebäude des ehemaligen Reichsluftfahrtministeriums. Ich war am 16. Juli 2020 mit meinen Eltern hier.

In der Ausstellung gibt es viele Spuren aus dem besetzten Polen, unter anderem ein Foto der öffentlichen Hinrichtung von drei Polen auf dem Alten Markt in Kutno im Juni 1941 oder 1942. Laut Bildunterschrift hatte ein Sondergericht in Leslau (Włocławek) sie wegen angeblichen Schwarzhandels verurteilt. Eine deutsch-polnische Bekanntmachung aus derselben Ausstellung zeige ich im Beitrag Berlin: Sehenswürdigkeiten.

Ein paar hundert Meter weiter, am S-Bahnhof Anhalter Bahnhof, steht die Ruine des Portals des früheren Bahnhofs. Von 1942 bis 1945 fuhren von hier Transporte mit Berliner Juden, vor allem älteren Menschen, in das Ghetto Theresienstadt. Der Bahnhof wurde durch Bomben zerstört und nach dem Krieg abgerissen – nur ein Teil der Fassade ist geblieben. Das Foto habe ich am Morgen desselben Tages gemacht.

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Der Ort des ehemaligen Führerbunkers

Von der Topographie des Terrors gehst du die Wilhelmstraße nach Norden, wo früher die Ministerien und die Reichskanzlei standen. An der Straße In den Ministergärten liegt zwischen Plattenbauten aus DDR-Zeiten ein gewöhnlicher Parkplatz. Unter diesem Gelände befand sich der Führerbunker, in dem Hitler sich am 30. April 1945 das Leben nahm. Daran erinnert nur eine Infotafel mit einem Plan der Bunker. Ich war im April und im August 2022 hier, die Tafel zeige ich im Beitrag Berlin: Sehenswürdigkeiten.

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Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Ein paar Minuten weiter, zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor, liegt das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Es besteht aus 2711 Betonstelen unterschiedlicher Höhe auf welligem Gelände, zwischen denen schmale Gänge verlaufen. Entworfen hat es Peter Eisenman, eröffnet wurde es 2005; unter dem Stelenfeld gibt es einen Ort der Information mit einer Ausstellung. Ich war oft hier, unter anderem im Juli 2019 und im August 2022. Mehr über die Gegend um das Tor schreibe ich im Beitrag Berlin: Sehenswürdigkeiten.

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Am Reichstag – das Sinti-und-Roma-Denkmal und die Solidarność-Gedenktafel

Auf der anderen Seite des Brandenburger Tors, im Tiergarten direkt am Reichstag, liegt das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas. Entworfen hat es Dani Karavan, eingeweiht wurde es 2012. Es ist ein rundes Becken mit dunklem Wasser, und auf den dreieckigen Stein in der Mitte wird jeden Tag eine frische Blume gelegt. Das Foto habe ich am 30. August 2022 gemacht.

Ein Stück weiter, an der Ebertstraße, steht ein Stück Backsteinmauer der Danziger Werft. Laut der Tafel daneben ist es ein Geschenk des polnischen Sejm an den Bundestag und ein Teil der Mauer, über die Lech Wałęsa am 14. August 1980 kletterte, um den Streik zu organisieren – den Streik, der zur Gründung der Solidarność führte. Eine zweisprachige Tafel erinnert an den Kampf der Solidarność für Freiheit und Demokratie und an den Beitrag Polens zur Wiedervereinigung Deutschlands. Ich war am 15. Juli 2020 hier.

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Sowjetische Ehrenmale – Tiergarten und Treptower Park

Vom Reichstag ist es nicht weit zur Straße des 17. Juni, an der das Sowjetische Ehrenmal im Tiergarten steht – eine Kolonnade mit einer Soldatenfigur, eingeweiht im November 1945. Laut der Tafel daneben sind hier mehr als 2000 Soldaten der Roten Armee begraben, die in der Schlacht um Berlin gefallen sind. Ich war am 15. Juli 2020 hier. Mehr über dieses Ehrenmal schreibe ich im Beitrag Berlin: auf den Spuren der DDR.

Das größte sowjetische Ehrenmal Berlins steht im Treptower Park, im Osten der Stadt, also fährst du am besten mit der S-Bahn hin. Die breite Allee mit den Gräbern endet an einem Hügel mit der Figur eines Soldaten mit einem Kind auf dem Arm, und auf einer Granitplatte steht auf Russisch und Deutsch die Inschrift „Die Heimat wird ihre Helden nicht vergessen“. Ich war am 18. Juli 2020 dort. Dieses Ehrenmal und das dritte, in der Schönholzer Heide, beschreibe ich im selben Beitrag – Berlin: auf den Spuren der DDR.

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Neue Wache – die Zentrale Gedenkstätte Deutschlands

Zurück durch das Brandenburger Tor gehst du über Unter den Linden zur Neuen Wache – einer ehemaligen Wache, die 1816–1818 nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel gebaut wurde. Laut der Tafel am Eingang war sie zu DDR-Zeiten das „Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus“, und 1969 wurden hier die sterblichen Überreste eines unbekannten Soldaten und eines unbekannten KZ-Häftlings beigesetzt. Seit 1993 ist sie die Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. In der Mitte des leeren Raums steht Käthe Kollwitz’ Skulptur „Mutter mit totem Sohn“. Ich war am 29. August 2022 mit meinem Vater hier; eine Nahaufnahme der Skulptur findest du im Beitrag Berlin: Sehenswürdigkeiten.

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Bebelplatz – Ort der Bücherverbrennung 1933

Ein paar Schritte von der Neuen Wache entfernt, auf der anderen Seite von Unter den Linden, liegt der Bebelplatz – ein Platz zwischen der Staatsoper, der St.-Hedwigs-Kathedrale und der Alten Bibliothek, gegenüber dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität. 1933 hieß er Opernplatz. Am Abend des 10. Mai 1933 verbrannten nationalsozialistische Studenten hier rund 20.000 Bücher – darunter Werke von Heinrich Heine, Karl Marx, Albert Einstein und Erich Maria Remarque –, und Joseph Goebbels hielt eine Rede. Am selben Tag brannten Bücher auch in vielen anderen deutschen Universitätsstädten.

In der Mitte des Platzes, unter einer in das Pflaster eingelassenen Glasplatte, liegt das Denkmal „Bibliothek“ des israelischen Künstlers Micha Ullman, eingeweiht 1995. Durch das Glas sieht man einen unterirdischen Raum mit leeren weißen Regalen, in die etwa 20.000 Bücher passen würden – ungefähr so viele, wie hier verbrannt wurden. Nach Einbruch der Dunkelheit ist der Raum beleuchtet. Das Foto habe ich am Abend des 25. Dezember 2024 gemacht, als auf dem Platz ein Weihnachtsmarkt stattfand: Die Glasplatte war mit einer Kordel an Pfosten abgesperrt, und daneben stand eine Tafel mit einer Beschreibung des Denkmals. Den Markt selbst zeige ich im Beitrag Berlin: Sehenswürdigkeiten.

Neben der Glasplatte sind zwei Bronzetafeln in das Pflaster eingelassen. Auf der einen steht, dass in der Mitte dieses Platzes am 10. Mai 1933 nationalsozialistische Studenten die Werke hunderter freier Schriftsteller, Publizisten, Philosophen und Wissenschaftler verbrannten. Die andere trägt einen Satz von Heinrich Heine aus seiner Tragödie „Almansor“ (1820): „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“. Die Tafeln habe ich am 6. September 2021 während des Festival of Lights fotografiert – die Projektionen auf den Gebäuden rund um den Platz findest du im Beitrag Festival of Lights in Berlin.

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Bahnhof Friedrichstraße – das Kindertransport-Denkmal

Von Unter den Linden sind es ein paar Minuten zum Bahnhof Friedrichstraße. Auf der Seite der Georgenstraße steht hier das Denkmal „Züge in das Leben – Züge in den Tod“ von Frank Meisler. Es erinnert an jüdische Kinder: Einige von ihnen fuhren 1938–1939 von hier mit dem Kindertransport nach Großbritannien und überlebten den Krieg, andere wurden in die Vernichtungslager deportiert. Frank Meisler wurde in Danzig geboren und fuhr selbst mit einem dieser Transporte – ein ähnliches Denkmal von ihm steht am Hauptbahnhof von Danzig (Gdańsk Główny). Ich habe es am 21. April 2022 mit meinem Vater gesehen. Gleich daneben liegt der Tränenpalast, den ich im Beitrag Berlin: Museen beschreibe.

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Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße

Vom Bahnhof Friedrichstraße fährt die S-Bahn in ein paar Minuten zum Nordbahnhof, an dem die Gedenkstätte Berliner Mauer beginnt. An der Bernauer Straße verlief die Grenze direkt an den Häusern. Heute stehen auf dem Streifen des früheren Grenzgebiets originale Mauerstücke, ein erhaltener Todesstreifen mit Wachturm und rostige Stäbe, die den Verlauf der Mauer markieren. Ich war im Mai 2019, im Juli 2020 und im Dezember 2024 hier.

An der Wand eines Hauses an der Bernauer Straße hängt eine Vergrößerung des berühmten Fotos von Peter Leibing: DDR-Soldat Conrad Schumann springt am 15. August 1961, zwei Tage nach Beginn des Mauerbaus, über den Stacheldraht in den Westen. Mehr über diesen Ort schreibe ich im Beitrag Berlin: auf den Spuren der Berliner Mauer.

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Wittenbergplatz – das Mahnmal „Orte des Schreckens“

Im Westen der Stadt, am U-Bahnhof Wittenbergplatz, steht eine hohe Tafel mit der Überschrift „Orte des Schreckens, die wir niemals vergessen dürfen“. Darunter stehen die Namen von Konzentrations- und Vernichtungslagern: Auschwitz, Stutthof, Majdanek, Treblinka, Theresienstadt, Buchenwald, Dachau, Sachsenhausen, Ravensbrück, Bergen-Belsen, Trostenez und Flossenbürg. Die ersten vier lagen auf dem Gebiet des heutigen Polens. Das Foto habe ich am 24. August 2019 gemacht. Die Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin beschreibe ich im Beitrag Ausflüge ab Berlin.

Mehr Fotos aus dieser Gegend – Wittenbergplatz, Tauentzienstraße und Ku’damm – findest du in meinem Beitrag über das ehemalige West-Berlin.

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Breitscheidplatz – Gedächtniskirche und Gedenkort für die Opfer des Anschlags

Vom Wittenbergplatz sind es ein paar Minuten zu Fuß über die Tauentzienstraße zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz. Ihr Turm wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört und als Ruine stehen gelassen, die an den Krieg erinnert. Ich war am Abend des 21. September 2019 hier.

Auf der Treppe vor der Kirche liegt der Gedenkort für die Opfer des Anschlags vom 19. Dezember 2016, als ein Terrorist mit einem Lkw in den Weihnachtsmarkt fuhr. Auf den Stufen stehen die Namen der Opfer und ihre Herkunftsländer – darunter Łukasz Urban aus Polen, der Fahrer des entführten Lkw. An diesem Abend standen Kerzen und Fotos bei den Namen. Mehr dazu schreibe ich in den Beiträgen Berlin: Sehenswürdigkeiten und Berlin: Weihnachtsmärkte.

Mehr über die Gedächtniskirche und den Breitscheidplatz in meinem Beitrag über das ehemalige West-Berlin.

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Haus der Wannsee-Konferenz

Der letzte Ort liegt am südwestlichen Rand Berlins, am Großen Wannsee. In dieser Villa vereinbarten hohe Beamte des Dritten Reichs und SS-Offiziere am 20. Januar 1942 die Organisation der Ermordung der europäischen Juden. Seit 1992 befindet sich hier die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz mit einer kostenlosen Ausstellung. Auf der Gartenseite steht an der Treppe zur Terrasse ein steinerner Löwe. Ich war am 16. August 2020 hier; die Tafel an der Wand der Villa und den polnischen Teil der Ausstellung zeige ich im Beitrag Potsdam und Wannsee.

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Praktische Informationen

  • Route zu Fuß: Topographie des Terrors, der Ort des Führerbunkers, das Denkmal für die ermordeten Juden, die Gegend um den Reichstag, das Ehrenmal im Tiergarten, die Neue Wache, der Bebelplatz und der Bahnhof Friedrichstraße liegen nah beieinander – ein Spaziergang von ein paar Kilometern. Die Route beginnt an den S-Bahnhöfen Anhalter Bahnhof und Potsdamer Platz.
  • Orientierungspunkt: das Brandenburger Tor – von dort sind es ein paar Minuten zu Fuß zum Denkmal für die ermordeten Juden, zum Reichstag und zum Ehrenmal im Tiergarten.
  • Anfahrt zu den weiteren Orten: Vom Bahnhof Friedrichstraße fährt die S-Bahn zum Nordbahnhof an der Bernauer Straße. Zum Treptower Park kommst du mit der S-Bahn (Bahnhof Treptower Park), zum Wittenbergplatz mit der U-Bahn; der Breitscheidplatz liegt ein paar Minuten zu Fuß weiter, am Bahnhof Zoologischer Garten. Zum Haus der Wannsee-Konferenz fährst du mit der S-Bahn bis Wannsee und von dort mit dem Bus 114.
  • Kostenlos: Alle beschriebenen Orte sind kostenlos, auch die Ausstellungen in der Topographie des Terrors und im Haus der Wannsee-Konferenz.
  • Wie viel Zeit: Das Zentrum mit der Bernauer Straße ist ein Tag. Den Treptower Park, den Westen der Stadt und Wannsee hebst du dir besser für einen zweiten Tag auf.
  • Verhalten: Das sind Gedenkorte – auf die Stelen des Denkmals für die ermordeten Juden darf man nicht klettern und nicht von Stele zu Stele springen.
  • Mehr Berlin: Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten beschreibe ich im Beitrag Berlin: Sehenswürdigkeiten, die Mauer und die Grenzübergänge im Beitrag Berlin: auf den Spuren der Berliner Mauer.

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