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Ort: Europa  DeutschlandReisejahr: 2021, 2022, 2023

Als ich in Berlin wohnte, bin ich ab und zu aus der Stadt hinausgefahren. Viele interessante Orte in Brandenburg liegen an der Endstation einer S-Bahn- oder Regionalbahnlinie, man braucht also nur einen Fahrschein für den Tarifbereich ABC und ein paar Dutzend Minuten Fahrt. In diesem Beitrag beschreibe ich vier solche Ausflüge: Oranienburg mit dem Schloss und der Gedenkstätte Sachsenhausen, Königs Wusterhausen mit dem Jagdschloss und der Schleuse, Erkner und Woltersdorf mit dem Aussichtsturm sowie eine Strecke entlang der ehemaligen Grenze bei Hennigsdorf. Über Potsdam habe ich separat geschrieben, im Beitrag Potsdam und Wannsee.

Inhaltsverzeichnis

  1. Oranienburg und die Gedenkstätte Sachsenhausen
  2. Königs Wusterhausen und die Schleuse Neue Mühle
  3. Erkner und Woltersdorf – der Turm auf dem Kranichsberg
  4. Hennigsdorf – auf den Spuren der Mauer an der Havel
  5. Praktische Informationen

Oranienburg und die Gedenkstätte Sachsenhausen

Oranienburg liegt nördlich von Berlin, an der Endstation der S1. Ich bin Ende August 2021 hingefahren. Im Stadtzentrum, an der Havel, steht Schloss Oranienburg. Mitte des 17. Jahrhunderts ließ es Luise Henriette von Oranien, die Frau des Großen Kurfürsten, umbauen – nach ihrem Geschlecht ist die Stadt benannt. Daneben gibt es einen Park und einen kleinen Hafen.

Der wichtigste Grund für einen Besuch in Oranienburg ist aber die Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen. 1936 errichtete die SS hier ein Konzentrationslager. Bis 1945 waren hier mehr als 200.000 Häftlinge inhaftiert – darunter viele Polen. Über dem Haupttor steht der Schriftzug „Arbeit macht frei“, dahinter liegt der dreieckige Appellplatz.

Auf dem Gelände sind die Mauern mit Wachtürmen, rekonstruierte Baracken und das Gebäude des Lagergefängnisses erhalten. Weiter hinten steht ein hoher Obelisk aus DDR-Zeiten mit einer Skulptur am Sockel. Der schwerste Ort ist die sogenannte Station Z – die Überreste der Hinrichtungsstätte und des Krematoriums, heute überdacht.

Auf dem Weg vom Bahnhof zum Lager kommt man an Tafeln zum Todesmarsch vorbei – im April 1945 trieb die SS mehr als 30.000 Häftlinge aus dem Lager nach Nordwesten, und viele von ihnen starben unterwegs.

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Königs Wusterhausen und die Schleuse Neue Mühle

Königs Wusterhausen liegt südöstlich von Berlin, an der Endstation der S46. Ich war Anfang August 2021 hier. Die Hauptattraktion ist das kleine Jagdschloss Königs Wusterhausen, die Lieblingsresidenz von König Friedrich Wilhelm I., dem „Soldatenkönig“. Er bekam es als zehnjähriger Junge zu Weihnachten 1698 geschenkt und kam jeden Herbst zur Jagd hierher. Abends traf er sich mit Offizieren und Beratern im sogenannten Tabakskollegium – bei Pfeife und Bier sprach man über Politik.

Vom Schloss lohnt es sich, am Kanal entlang zur Schleuse Neue Mühle zu gehen. Am Wochenende fahren viele Boote und Jachten hindurch, und beim Schleusen zuzuschauen ist ziemlich interessant.

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Erkner und Woltersdorf – der Turm auf dem Kranichsberg

Anfang März 2023 bin ich mit der S-Bahn nach Erkner östlich von Berlin gefahren. Vom Bahnhof ging ich an einer Backsteinkirche vorbei und am Kanal entlang, dann auf einem Waldweg mit Lehrtafeln zum Flakensee.

Auf der anderen Seite des Sees liegt Woltersdorf und darüber der Kranichsberg (ca. 100 m ü. M.). Eine Holztreppe führt auf den Gipfel, und oben steht ein 25 Meter hoher Aussichtsturm von 1961 – den ersten von 1886 hat der Krieg zerstört. Drinnen gibt es Tafeln zur Geschichte der Gegend, und von oben sieht man Wälder, Seen und bei guter Sicht sogar den Berliner Fernsehturm.

Zum Schluss bin ich zur Woltersdorfer Schleuse hinuntergegangen. Von dort kommt man mit der Straßenbahn zum S-Bahnhof Rahnsdorf und zurück nach Berlin.

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Hennigsdorf – auf den Spuren der Mauer an der Havel

Ende Mai 2022 bin ich einen Abschnitt des Berliner Mauerwegs gegangen, der auf der ehemaligen Grenze rund um West-Berlin verläuft. Ich startete in Hennigsdorf nordwestlich der Stadt und ging an der Havel entlang nach Süden. Unterwegs stehen orangefarbene Pfosten und Stelen mit Tafeln zur Geschichte der Grenze, unter anderem über Menschen, die bei der Flucht über sie ums Leben kamen.

In Nieder Neuendorf steht ein Grenzturm, einer der letzten erhaltenen Grenztürme der DDR. Von hier aus wurden die Grenzsoldaten auf einem mehrere Kilometer langen Grenzabschnitt geführt, heute gibt es darin eine kleine Ausstellung über die Mauer und die Grenzer. Aus dem Turmfenster sieht man durch ein Fernrohr die Havel, die hier die Grenze bildete.

Weiter führt der Weg am Wasser entlang, durch Kiefernwälder und über Stege. Das ist eher ein Naturspaziergang als ein Stadtspaziergang – unterwegs habe ich Schwäne, Bootsstege und ruhige Seitenarme des Flusses gesehen.

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Praktische Informationen

  • Fahrschein: Oranienburg, Königs Wusterhausen, Erkner und Hennigsdorf liegen im Tarifbereich C des Berliner Nahverkehrs – ein Fahrschein ABC reicht, ein extra Regionalticket braucht man nicht.
  • Sachsenhausen: Der Eintritt ist frei (nur der Audioguide kostet etwas). Vom Bahnhof Oranienburg zum Lager geht man ca. 20–25 Minuten. Es ist eine Gedenkstätte, plane also ein paar Stunden dafür ein und kombiniere sie nicht mit vielen anderen Sehenswürdigkeiten.
  • Kranichsberg: Der Turm ist manchmal geschlossen oder nur an bestimmten Tagen der Saison geöffnet – prüfe vor der Fahrt, ob man hinaufsteigen kann.
  • Mauerweg: Der Weg ist ca. 160 km lang und in Abschnitte unterteilt – du kannst jeden beliebigen Abschnitt zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren und mit der S-Bahn oder dem Bus zurückfahren.
  • Mehr Berlin: Berlin: Sehenswürdigkeiten, Schlösser und Burgen, Grünes Berlin und die Berliner Mauer.

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