
Als ich in Berlin wohnte, fuhr ich für Ausflüge ins Umland meist mit der S-Bahn oder einem Regionalzug – einige davon habe ich im Beitrag Ausflüge ab Berlin beschrieben. Dieser Beitrag ist sein zweiter Teil, diesmal mit dem Fahrrad. Zweimal waren Patrycja und ich für zwei Tage mit Rädern, Packtaschen und Zelt in Brandenburg unterwegs. Ostern 2021 fuhren wir nach Nordosten, über Bad Freienwalde ins Oderbruch an der Oder. Im Mai 2022 ging es nach Westen, durch die Stadt Brandenburg an der Havel und weiter an der Havel entlang. Beide Nächte verbrachten wir im Zelt auf Biwakplätzen am Wasser.
Inhaltsverzeichnis
- Buch und Börnicke – Skulpturen auf den alten Rieselfeldern und ein alter Gutshof
- Bad Freienwalde – alte Kaserne und Skisprungschanzen
- Übernachtung an der Alten Oder in Neugaul
- Das Oderbruch – Neulewin und das Ehrenmal in Platkow
- Über Werder und Wust nach Brandenburg an der Havel
- Brandenburg an der Havel – Neustadt und Altstadt
- Der Marienberg – Garten, Weinberg und die Friedenswarte
- Durch das Haveltal nach Pritzerbe
- Der Biwakplatz in Mögelin an der Havel
- Praktische Informationen
Buch und Börnicke – Skulpturen auf den alten Rieselfeldern und ein alter Gutshof
Die erste Tour fiel auf Karfreitag, den 2. April 2021. Über die Feiertage nach Polen zu reisen war damals schwierig, also beschlossen wir, sie auf dem Rad zu verbringen. Den ersten Halt machten wir noch innerhalb Berlins, im Ortsteil Buch, auf den ehemaligen Rieselfeldern von Hobrechtsfelde. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden hier Berliner Abwässer verrieselt, 1985 wurden die Felder stillgelegt. Heute gibt es hier Wälder, Wiesen und Weiden, und das Gebiet steht unter Schutz.
An den Wegen stehen Skulpturen aus Stein und Holz vom internationalen Bildhauersymposium „Steine ohne Grenzen“, das seit 2001 stattfindet. In den Wäldern um Buch und Hobrechtsfelde sind es über 100, geschaffen von Künstlern aus mehr als 25 Ländern. Hinter einer der Steinskulpturen stehen bunt bemalte Betonpfeiler – die Reste einer alten Feldscheune des Gutes Hobrechtsfelde.
Hinter Bernau, im Dorf Börnicke, das heute zu dieser Stadt gehört, kamen wir an einem ehemaligen Gutshof vorbei. Hier stehen ein Gutshaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und lange Wirtschaftsgebäude aus Ziegeln und Feldsteinen, davor alte Landmaschinen. In der ehemaligen Brennerei mit dem hohen Schornstein braut seit 2020 die Erste Bernauer Braugenossenschaft. Der Gutshof war auch Drehort der Netflix-Serie „Dark“ – im ehemaligen Pferdestall und in der Brennerei entstanden die Szenen in der Tannhaus-Fabrik im Jahr 1888.
Bad Freienwalde – alte Kaserne und Skisprungschanzen
Nach fünf Uhr nachmittags erreichten wir den Kurort Bad Freienwalde (Oder) am Rand des Odertals. In der Waldstadt steht ein verfallener Block der ehemaligen Kaserne. Sie wurde 1935–1936 für die Wehrmacht gebaut, und nach dem Krieg waren hier bis 1993 sowjetische und später russische Truppen stationiert. Ein Teil der Blöcke wurde saniert und zu einer Wohnsiedlung, dieser hier steht leer.

Einige hundert Meter weiter, im Papengrund, liegen die Skisprungschanzen – das nördlichste Skisprungzentrum Deutschlands. Es gibt hier vier Schanzen, die größte, die K60 (Kurstadtschanze Helmut Recknagel), wurde 2008 eröffnet. Die alte Papengrundschanze entstand schon 1930. An der größten Schanze steht der Aussichtsturm Schanzenturm, auf den 161 Stufen führen.

Übernachtung an der Alten Oder in Neugaul
Zum Übernachten fuhren wir noch etwa 10 km weiter nach Osten, nach Neugaul bei Wriezen. An der Wriezener Alten Oder, neben einer Brücke, liegt hier der Biwakplatz Neugaul – eine Wiese, auf der man ein Zelt aufstellen kann. Von Buch sind es auf der Straße knapp 60 km. Ein Foto von diesem Platz habe ich damals zusammen mit Ostergrüßen auf Facebook gepostet.

Der Biwakplatz ist einfach eine Wiese am Wasser, ohne Toilette und ohne Trinkwasser, Wasser muss man also selbst mitbringen. Die Fotos vom Zelt habe ich am Samstag, dem 3. April, vor acht Uhr morgens gemacht.
Das Oderbruch – Neulewin und das Ehrenmal in Platkow
Am zweiten Tag fuhren wir durch das Oderbruch – eine flache, landwirtschaftlich genutzte Niederung entlang der Oder. Früher war hier sumpfiges Land, das der Fluss immer wieder überschwemmte. Es wurde 1747–1753 unter König Friedrich II. trockengelegt, und auf den neuen Feldern entstanden Kolonistendörfer. Eines davon ist Neulewin, wo sich 80 Familien ansiedelten. Bis zur Oder, die hier die Grenze zu Polen bildet, sind es ein paar Kilometer.
In Neulewin steht ein Kriegerdenkmal. Auf der oberen Tafel stehen die Namen der Dorfbewohner, die 1914–1915 im Ersten Weltkrieg gefallen sind, die untere erinnert an die Gefallenen und Kriegstoten der Gemeinde Neulewin aus den Jahren 1939–1945.
Am Nachmittag erreichten wir das Dorf Platkow bei Seelow. Hier steht ein sowjetisches Ehrenmal mit dem Relief eines Soldaten mit Gewehr. Die Inschrift auf Russisch und Deutsch verkündet ewigen Ruhm den 85 Soldaten der Sowjetarmee, die 1941–1945 gefallen sind. Es ist ein Massengrab von Soldaten, die im April 1945 ums Leben kamen. Einige Kilometer entfernt, auf den Seelower Höhen, tobte vom 16. bis 19. April 1945 die Schlacht, nach der die Rote Armee auf Berlin vorrückte. Die sowjetischen Ehrenmale in Berlin selbst habe ich im Beitrag Berlin: auf den Spuren der DDR beschrieben.
Insgesamt legten wir in zwei Tagen rund 120 km zurück. Der nächste Bahnhof, Seelow-Gusow an der Linie RB26 nach Berlin, liegt etwa 3,5 km von Platkow entfernt.
Über Werder und Wust nach Brandenburg an der Havel
Die zweite Tour war am Wochenende 14.–15. Mai 2022. Wir hatten beide frei, also nahmen wir wieder die Räder mit Packtaschen und das Zelt mit – diesmal westlich von Berlin. Am Vormittag waren wir in Werder (Havel), einem Städtchen gleich hinter Potsdam, das ich im Beitrag Potsdam und Wannsee beschrieben habe. Weiter ging es nach Westen, und in Wust überquerten wir den dicht zugewachsenen Emster Kanal. Von Werder bis zum Ortsschild von Brandenburg an der Havel sind es etwa 25 km.
Brandenburg an der Havel – Neustadt und Altstadt
Von der Brandenburg, die auf einer Insel in der Havel stand, hat die ganze Mark Brandenburg ihren Namen, und heute das Land Brandenburg. Das historische Zentrum besteht aus drei Teilen: der Dominsel, der Altstadt und der Neustadt. Wir begannen in der Neustadt, in der Steinstraße mit ihren Restaurants und Außenterrassen. An ihrem Ende steht der Steintorturm – ein etwa 29 m hoher Torturm, der größte der vier erhaltenen Türme der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Innen gibt es eine kleine Ausstellung zur Havelschifffahrt und Stadtgeschichte sowie eine Aussichtsplattform.

Zu Mittag aßen wir in einem der Restaurants in der Steinstraße. Etwas weiter steht die backsteingotische Katharinenkirche (St. Katharinen), die ab 1401 gebaut wurde. Sie hat reich verzierte Giebel, und innen unter anderem einen Flügelaltar von 1474. Der Obelisk vor der Kirche ist ein preußischer Meilenstein.

In die Altstadt fuhren wir über die Havel auf der Jahrtausendbrücke. Von der Brücke sieht man die Backsteinkirche St. Johannis mit ihrem hohen Turm, die direkt am Ufer steht.

Auf dem Altstädtischen Markt steht das gotische Altstädtische Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, eines der bedeutendsten erhaltenen Rathäuser in Brandenburg. Am Eingang steht der Roland – eine 5,35 m hohe Ritterfigur aus Sandstein von 1474, ein Symbol der Unabhängigkeit der Stadt. Am Brunnen auf dem Platz sitzt ein kleiner Mops aus Bronze. Er ist einer von fast 30 „Waldmöpsen“, die in der Stadt zur Erinnerung an Loriot aufgestellt wurden – den deutschen Humoristen, der 1923 in Brandenburg an der Havel geboren wurde und diese Figur erfand.

Einige hundert Meter weiter, in der Plauer Straße, steht der Plauer Torturm. Zusammen mit dem Rathenower Torturm ist er einer der beiden erhaltenen Tortürme der Altstadt.

Der Marienberg – Garten, Weinberg und die Friedenswarte
Vom Plauer Torturm ist es nicht weit zum Marienberg – einem 69 m hohen Hügel, dem höchsten Punkt der Stadt. Auf ihm liegt der 30 Hektar große Bürgerpark Marienberg, der für die Bundesgartenschau 2015 umgestaltet wurde. Der Südaufgang führt durch einen Garten mit Lavendel und Formgehölzen, den eine Steinwand mit Pergola, goldfarbenen Früchtereliefs und einem Mosaik in einer Bogennische abschließt. Weiter oben führt der Weg durch einen grünen Laubengang.

Auf dem Gipfel steht der Aussichtsturm Friedenswarte. Der erste Turm, die Bismarckwarte, wurde hier 1908 eröffnet und 1958 in Friedenswarte umbenannt. 1974 wurde der alte Turm gesprengt, und auf seinem Steinsockel entstand innerhalb weniger Monate ein neuer, der zum 25. Jahrestag der DDR eingeweiht wurde. Er ist 32,5 m hoch, hat zwei Wendeltreppen mit je 180 Stufen und zehn Plattformen: fünf verglaste und fünf offene. Bei guter Sicht sieht man von dort bis zu 60 km weit.
Am Hang des Marienbergs liegt auch ein Weinberg. Zwischen den Rebzeilen führt ein gepflasterter Weg, und darüber ragt die Friedenswarte auf. Von einer Terrasse am Hang sieht man die Dächer der Stadt und die Wälder ringsum.

Durch das Haveltal nach Pritzerbe
Am späten Nachmittag fuhren wir von Brandenburg an der Havel nach Norden, durch das Tal der Havel. Entlang der Straße nach Rathenow verläuft ein eigener Radweg, weiter dann ein asphaltierter Weg zwischen Feldern – dort entstand das Foto am Anfang des Beitrags.

In Pritzerbe führt eine Fachwerk-Eisenbahnbrücke über die Havel. Hier fahren die Züge der RB51 von Brandenburg an der Havel nach Rathenow, mit Halten unter anderem in Pritzerbe, Premnitz und Mögelin.

Der Biwakplatz in Mögelin an der Havel
Gegen halb neun abends erreichten wir Mögelin, heute ein Ortsteil von Premnitz. An einem Seitenarm der Havel (Mögeliner Havel) gibt es hier einen kostenlosen Biwakplatz mit Unterstand und Tischen. Wildcampen ist in Deutschland nicht erlaubt, aber es gibt Plätze, an denen man sein Zelt kostenlos oder für eine kleine Gebühr aufstellen kann. Wir suchten sie auf der OpenCampingMap (opencampingmap.org). Von Werder bis Mögelin fuhren wir an diesem Tag etwa 60 km.
Die Tafel am Platz zeigt eine Karte des Naturparks Westhavelland und die Platzregeln. Gezeltet werden darf nur eine Nacht, und es dürfen höchstens 4 Zelte gleichzeitig stehen. Nachtruhe ist von 22:00 bis 8:00 Uhr, und den Müll muss man in den Behälter werfen oder wieder mitnehmen.
Gegen 20:40 Uhr verschwand die Sonne schon hinter den Bäumen am anderen Ufer. Am Morgen, am Sonntag, dem 15. Mai, machte ich noch ein paar Fotos vom Platz und vom Ufer mit seinem kleinen Sandstrand.
Praktische Informationen
- Fahrrad im Zug: Fahrräder dürfen in S-Bahn, U-Bahn und Regionalzügen mitfahren, aber nur in den gekennzeichneten Wagen und wenn Platz ist – das Personal kann die Mitnahme ablehnen. Das Rad braucht eine eigene Fahrkarte (Fahrradkarte): Ein Einzelfahrausweis für Berlin AB kostet 2,70 €, für ABC 3,30 € und für das ganze VBB-Gesamtnetz (Berlin und Brandenburg) 4,60 €. Die 24-Stunden-Karte Fahrrad für das VBB-Gesamtnetz kostet 7,50 € (Preise Stand Oktober 2026; ab 1. Januar 2027 7,80 €). Das Deutschlandticket gilt nicht für Fahrräder.
- Mit dem Zug an die Havel: Der RE1 fährt von Berlin über Werder (Havel) nach Brandenburg an der Havel (etwa eine Stunde ab Berlin Hbf). Die RB51 fährt stündlich von Brandenburg an der Havel über Pritzerbe, Premnitz und Mögelin nach Rathenow, und von Rathenow fährt der RE4 nach Berlin (etwa eine Stunde).
- Mit dem Zug ins Oderbruch: Die RB26 fährt von Berlin Ostkreuz über Seelow-Gusow nach Kostrzyn, die RB60 verbindet Eberswalde, Bad Freienwalde, Wriezen, Seelow und Frankfurt (Oder). Nach Bernau fährt die S-Bahn-Linie S2.

- Übernachtung: Wildcampen ist in Deutschland verboten. Kostenlose oder günstige Biwakplätze und Wasserwanderrastplätze findet man auf opencampingmap.org. Auf manchen darf man nur eine Nacht bleiben, und nicht überall gibt es Toilette oder Wasser.
- Aussichtstürme: Die Friedenswarte auf dem Marienberg ist von April bis Oktober an ausgewählten Wochentagen von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Der Schanzenturm in Bad Freienwalde – von April bis Oktober, Dienstag bis Sonntag, 10:00–17:00 Uhr; der Eintritt kostet 2 € (ermäßigt 1 €).
- Radweg an der Havel: Von Brandenburg an der Havel nach Rathenow führt der ausgeschilderte Havel-Radweg – diese Etappe ist etwa 67 km lang und verläuft über Plaue, Pritzerbe und Milow, teils auf straßenbegleitenden Radwegen, teils auf Nebenstraßen.
- Mehr: Ausflüge ab Berlin mit dem Zug habe ich im Beitrag Ausflüge ab Berlin beschrieben, einen Wasserpark in Brandenburg in Tropical Islands und eine weitere Radtour mit Zelt in Mit dem Rad zur Pyramide in Rapa.
























