Zum Inhalt springen Zur Seitenleiste springen Zur Fußzeile springen
Ort: Europa  PolenReisejahr: 2020, 2021, 2023, 2025, 2026~10 Min. Lesezeit

Stettin (Szczecin) ist die Hauptstadt der Woiwodschaft Westpommern und liegt an der Oder und am Dammschen See. Ich habe einmal geschrieben, dass es eine Stadt „am Meer“ ist, die keinen Zugang zum Meer hat – bis zur Ostsee ist es noch ein ganzes Stück, aber Hafen, Kais und Schiffe sieht man hier auf Schritt und Tritt. Zwischen 2018 und 2026 war ich viele Male in Stettin. In diesem Beitrag habe ich die Orte gesammelt, die ich bei diesen Besuchen fotografiert habe: die Hakenterrasse, das Schloss der Pommerschen Herzöge und die Altstadt, die Boulevards und die Lastadie, die Sehenswürdigkeiten der Innenstadt, die Jasne Błonia mit dem Rosengarten und die Seen im Stadtgebiet – dazu zwei Ausflüge in die Umgebung: zum Krummen Wald bei Greifenhagen (Gryfino) und nach Neuwarp (Nowe Warpno). Die unterirdischen Bunker und verlassenen Fabriken habe ich in einem eigenen Beitrag über Urbex in Stettin und Pölitz beschrieben.

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Hakenterrasse – eine Terrasse über der Oder
  2. Das Schloss der Pommerschen Herzöge und die Altstadt
  3. Die Oderboulevards und die Lastadie
  4. Innenstadt – Tore, Rathäuser und ein Wandbild
  5. Jasne Błonia und der Rosengarten
  6. Seen und das Zwischenoderland im Stadtgebiet
  7. Der Krumme Wald bei Greifenhagen
  8. Neuwarp am Stettiner Haff
  9. Praktische Informationen

Die Hakenterrasse – eine Terrasse über der Oder

Die Hakenterrasse (Wały Chrobrego) ist eine Aussichtsterrasse auf dem Steilufer über der Oder, rund 500 Meter lang. Sie entstand 1902–1921 an der Stelle des früheren Forts Leopold, nach einem Konzept des Stadtbaurats Wilhelm Meyer-Schwartau. Ihren Namen bekam sie vom Oberbürgermeister Hermann Haken, auf dessen Initiative sie gebaut wurde; heute heißt sie nach König Bolesław Chrobry. Auf der Terrasse stehen monumentale Gebäude: das Woiwodschaftsamt, das Nationalmuseum und die Gebäude der Seefahrtsuniversität. Die Fotos habe ich an einem sonnigen Tag gemacht, am 9. Mai 2021.

In der Mitte der Stützmauer liegt eine halbrunde Nische mit Statuen, davor ein breiter Brunnen. Vor dem Brunnen stehen zwei Lichttürme im Stil von Leuchttürmen, an den Seiten zwei kleinere Terrassen mit Kuppeln auf Säulen. In der Mitte der oberen Terrasse steht die Skulptur „Herkules im Kampf mit dem Kentauren“. Zwei Treppen führen hinunter zum Kai, an dem Schiffe festmachen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Das Schloss der Pommerschen Herzöge und die Altstadt

Ein paar hundert Meter von der Terrasse entfernt, auf dem Schlossberg, steht das Schloss der Pommerschen Herzöge. Herzog Barnim III. begann 1346 mit dem Bau eines gemauerten Sitzes, sein Renaissance-Aussehen verdankt das Schloss den Umbauten des 16. Jahrhunderts – der größte dauerte von 1573 bis 1582. 1944 wurde es bei Luftangriffen schwer beschädigt, der Wiederaufbau nach dem alten Vorbild dauerte von 1958 bis 1980. Heute sind hier die Oper im Schloss, ein Kino und Konzertsäle untergebracht. In den Höfen kann man sich ohne Ticket bewegen – im größten war ich im Oktober 2020.

Über dem Hof erhebt sich der Uhrturm, der höchste der Schlosstürme ist der Glockenturm – für ihn und für die Herzogsterrasse auf dem Dach des Nordflügels braucht man ein Ticket. Gut zu sehen ist das Schloss auch vom anderen Oderufer, vom Bulwar Gdyński. Dieses Foto habe ich im März 2025 gemacht – unterhalb des Schlosses, direkt am Wasser, stehen die Häuser von Podzamcze.

Vom Schloss führen Treppen hinunter zum Heumarkt (Rynek Sienny) – dem früheren Marktplatz der Altstadt, der im Krieg schwer zerstört wurde. Hier stehen das gotische Alte Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, in dem das Museum für Stadtgeschichte untergebracht ist, und wiederaufgebaute, bunte Häuser mit Cafés und Restaurants. Ich war im August 2020 abends hier.

Ein Stück weiter, auf dem Platz des Weißen Adlers, steht der barocke Brunnen mit dem Weißen Adler von 1729–1732. Von hier sieht man über den Dächern den Turm der Kathedrale St. Jakobus. Der Turm ist 110 Meter hoch, und auf die Aussichtsterrasse in 56 Metern Höhe fährt ein Aufzug. Den Brunnen habe ich im Oktober 2020 fotografiert, die Kathedrale im Juni desselben Jahres.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Die Oderboulevards und die Lastadie

Am linken Oderufer, von der Eisenbahnbrücke bis zur Schlossroute, verläuft der Piasten-Boulevard (Bulwar Piastowski). An einem warmen Juniabend 2021 saßen auf den Stufen am Wasser Massen von Menschen.

Auf dem Boulevard steht eine Skulptur der Stettiner Fässer – aus einem quellen Heringe aus Metall. Sie erinnert an die Geschichte der Stadt, die unter anderem durch den Heringsfang reich wurde. Ich habe sie im März 2025 fotografiert.

Auf der anderen Seite der Westoder liegt die Lastadie (Łasztownia) – eine frühere Hafeninsel, auf der Boulevards, ein Jachthafen und Lokale entstanden sind. Im Mai 2021 sah man vom Jachthafen über das Wasser die Hakenterrasse, und am Kai stand ein großer Schriftzug SZCZECIN.

Von der Schlossroute (Trasa Zamkowa), der Hochstraße, die beide Ufer verbindet, hat man ein Panorama der Altstadt – mit dem Schloss, dem Kathedralturm und den Häusern von Podzamcze.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Innenstadt – Tore, Rathäuser und ein Wandbild

In der Innenstadt sind zwei barocke Tore der früheren Festungsanlagen erhalten: das Hafentor und das Königstor. Beide entstanden 1725–1728 nach einem Entwurf von Gerhard Cornelius van Wallrawe, die Skulpturen schuf Bartholomé Damart. Im Hafentor gibt es heute eine Theaterbühne, im Königstor, früher Anklamer Tor, eine Konditorei. Beide habe ich am 9. Mai 2021 fotografiert.

Am Batorego-Platz steht das neugotische Rote Rathaus (Neues Rathaus) von 1875–1879, entworfen von Konrad Kruhl. Bis 1945 saß hier die Stadtverwaltung, heute unter anderem das Seeamt. Daneben, in der Rybacka-Straße, ragt der Turm des Rektorats der Pommerschen Medizinischen Universität auf – er ist 68 Meter hoch. Das Gebäude entstand 1900–1902 für städtische Ämter nach einem Entwurf von Wilhelm Meyer-Schwartau, dem Schöpfer der Hakenterrasse. Zwischen den Gebäuden, auf dem Tobrucki-Platz, ist das Becken des Manzelbrunnens von 1898 erhalten – seine Figuren wurden im Krieg entfernt, heute steht darin ein Anker auf einem Felsen.

Das grüne Gebäude des Stettiner Rathauses am Platz der Heimatarmee wird „Spinatpalast“ genannt. Es entstand 1924–1927 als Sitz der Behörden der Provinz Pommern, der grüne Putz wurde bei einer 2013 abgeschlossenen Renovierung wiederhergestellt. Ich war im Juli 2023 hier.

Nicht weit vom Hauptbahnhof, in der Kolumba-Straße, zieht sich ein langes Wandbild mit dem Schriftzug SZCZECIN. Ich bin zwischen 2021 und 2026 mehrmals daran vorbeigegangen, dieses Foto ist vom April 2023.

Wissenswertes: In der steilen Kusocińskiego-Straße, neben einem Schild, das vor 12 % Gefälle warnt, wurde der polnische Internethit „Ale urwał!“ gedreht. Das Foto habe ich im September 2020 gemacht.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Jasne Błonia und der Rosengarten

Nördlich des Zentrums liegen die Jasne Błonia (Helle Wiesen Johannes Paul II.), angelegt 1925–1927 auf früherem Land der Familie Quistorp. Den Namen des Papstes tragen sie seit der Messe, die Johannes Paul II. hier 1987 feierte. Über den Wiesen steht das Denkmal der polnischen Tat – drei Adler aus Bronze auf Stahlsäulen. Entworfen hat es Gustaw Zemła, enthüllt wurde es am 3. September 1979. Ich war im Juli 2023 hier.

Neben den Jasne Błonia beginnt der Kasprowicz-Park und darin der Rosengarten (Różanka). Laut der Tafel am Weg wurde der Rosengarten 1928 eröffnet, und es wurden 8000 Rosensträucher gepflanzt. 2007 bekam er seine ursprüngliche Funktion zurück, heute wachsen hier etwa 100 Rosenarten. Mitte Juli 2023 standen die Sträucher in voller Blüte.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Seen und das Zwischenoderland im Stadtgebiet

Im Stadtgebiet von Stettin gibt es viele Wälder und Seen. Am westlichen Stadtrand, in der Ueckermünder Heide (Puszcza Wkrzańska), liegt der See Głębokie. Rundherum führt ein leichter, befestigter Weg, am Ufer gibt es Strände und Rastplätze. Ich war Ende Februar 2021 an einem sonnigen Tag hier.

Am rechten Oderufer, in Zdroje, liegt der Smaragdsee (Jezioro Szmaragdowe). Er entstand in der Grube eines früheren Kreide- und Mergelbergwerks, das ab 1862 abgebaut wurde. Im Juli 1925 stießen die Bergleute auf Wasser, und die Grube lief voll. Der See ist bis zu 18 Meter tief, Baden ist verboten. Am Ufer ist eine Betonbrücke über der Trasse der früheren Grubenbahn erhalten – dort war ich im August 2020.

Im Osten der Stadt erstreckt sich der Dammsche See (Jezioro Dąbie) – er ist etwa 54 km² groß und über die Oder mit dem Stettiner Haff verbunden. Im Stadtteil Dąbie gibt es an seinem Ufer einen Jachthafen mit langen Stegen. Das Foto habe ich im Juni 2020 gemacht.

Zwischen der Westoder und der Regalica liegt das Zwischenoderland (Międzyodrze) – ein sumpfiges Tal, durchzogen von Altarmen und Kanälen mit einer Gesamtlänge von über 200 km. Im Juni 2021 bin ich hier Kajak gefahren. An manchen Kanälen sind alte Uferbefestigungen aus Ziegel und Beton erhalten.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Der Krumme Wald bei Greifenhagen

Etwa 4 km von Greifenhagen (Gryfino), in Nowe Czarnowo, nahe dem Kraftwerk Dolna Odra, wächst der Krumme Wald (Krzywy Las). Laut der Tafel vor Ort ist es eine Gruppe von über 100 Kiefern, deren Stämme am Fuß gebogen sind, auf einer Fläche von 0,5 ha. Die Bäume stehen als Naturdenkmal unter Schutz. Gepflanzt wurde der Wald wohl um 1934, aber woher die krummen Stämme kommen, weiß niemand genau. 1971 wuchsen hier 400 solche Kiefern in 22 gleichmäßigen Reihen – das spricht dafür, dass Menschen sie so geformt haben.

Ich war am 28. Februar 2026 hier, an dem Tag, an dem ich beim Festival Włóczykij in Greifenhagen einen Vortrag (auf Polnisch) über Mexiko hielt. In der sonnigen Mittagszeit liefen recht viele Besucher zwischen den Kiefern herum.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Neuwarp am Stettiner Haff

Neuwarp (Nowe Warpno) ist ein kleines Städtchen am Stettiner Haff, direkt an der deutschen Grenze. Auf dem Marktplatz steht ein Fachwerkrathaus von 1697, das nach dem Stadtbrand von 1692 gebaut wurde, und in der Nähe die Backsteinkirche Mariä Himmelfahrt, deren Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Ich war im August 2020 hier.

Am Ufer, am Ende eines Stegs, steht ein hölzerner Aussichtspavillon mit Blick auf das Haff.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Praktische Informationen

  • Mit dem Zug: Der Hauptbahnhof ist Szczecin Główny, an der Oder, etwa 1 km von der Altstadt. Direkte Züge fahren unter anderem aus Posen, Warschau, Danzig und Berlin.
  • Mit dem Bus und dem Flugzeug: Fernbusse halten am Bahnhof. Der Flughafen Stettin-Goleniów liegt etwa 45 km nordöstlich der Stadt.
  • In der Stadt: Es fahren Straßenbahnen und Busse der ZDiTM. Ticketpreise seit Mai 2025: 15 Minuten 0,70 €, 30 Minuten 0,90 €, 60 Minuten 1,40 €, 24 Stunden 3,50 €.
  • Zu Fuß: Hakenterrasse, Schloss, Heumarkt, Kathedrale und beide Tore liegen im Umkreis von etwa 1,5 km. Auf die Lastadie kommst du über die Lange Brücke (Most Długi).
  • Krummer Wald: Der Zug vom Bahnhof Szczecin Główny zur Station Dolna Odra braucht etwa 30 Minuten, der Wald beginnt ein paar hundert Meter vom Bahnhof entfernt.
  • Kathedrale und Schloss: Auf die Aussichtsterrasse der Kathedrale fährt ein Aufzug, für den Glockenturm und die Herzogsterrasse braucht man ein Ticket – aktuelle Öffnungszeiten und Preise findest du auf den Seiten der Kathedrale und des Schlosses.
  • Wie viel Zeit: Für Hakenterrasse, Schloss, Altstadt und Lastadie reicht ein Tag; die Seen, die Jasne Błonia und der Krumme Wald füllen einen zweiten.
  • Mehr Stettin: Den Bunker unter dem Hauptbahnhof, das Kino Pionier und die Ruinen des Hydrierwerks in Pölitz habe ich im Beitrag Stettin und Pölitz: Urbex beschrieben.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Beitrag teilen

XWhatsApp

Hat dir der Artikel gefallen?

Bleib mit mir auf Reisen – folge mir dort, wo es dir am besten gefällt.