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Ort: Europa  DeutschlandReisejahr: 2019, 2022, 2023

Berlin hat über 170 Museen – von antiken Toren und Dinosauriern bis zu Dampflokomotiven und zeitgenössischer Kunst. Während ich in Berlin wohnte, habe ich viele von ihnen besucht, oft im Rahmen des Museumssonntags, also des kostenlosen ersten Sonntags im Monat. In diesem Beitrag habe ich die Museen zusammengestellt, die mich am meisten beeindruckt haben: das Pergamonmuseum und das Bode-Museum auf der Museumsinsel, das Museum für Naturkunde mit dem höchsten Dinosaurierskelett der Welt, den Hamburger Bahnhof, das Deutsche Technikmuseum und den kostenlosen Tränenpalast. Am Ende findest du ein paar praktische Tipps – auch dazu, was sich seit meinen Besuchen geändert hat.

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Museumsinsel in Kürze
  2. Pergamonmuseum – Ischtar-Tor, Milet und islamische Kunst
  3. Bode-Museum – Skulpturen, Byzanz und Münzen
  4. Museum für Naturkunde – Dinosaurier, Archaeopteryx und Knut
  5. Hamburger Bahnhof – zeitgenössische Kunst in einem alten Bahnhof
  6. Deutsches Technikmuseum – Züge, Flugzeuge und der erste Computer
  7. Tränenpalast – Museum am ehemaligen Grenzübergang
  8. Sea Life und AquaDom
  9. Praktische Informationen

Die Museumsinsel in Kürze

Die Museumsinsel ist die Nordspitze der Spreeinsel, mitten im Zentrum Berlins, direkt neben dem Berliner Dom. Zwischen 1830 und 1930 entstanden hier fünf Museen: das Alte Museum, das Neue Museum, die Alte Nationalgalerie, das Bode-Museum und das Pergamonmuseum. Seit 1999 gehört das gesamte Ensemble zum UNESCO-Welterbe. Auch ohne hineinzugehen, lohnt sich ein Spaziergang zwischen den Kolonnaden und an den Ufern entlang – besonders im Frühling, wenn sich die Berliner auf den Rasenflächen vor der Alten Nationalgalerie ausruhen.

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Pergamonmuseum – Ischtar-Tor, Milet und islamische Kunst

Ins Pergamonmuseum ging ich im April 2022. Es ist das berühmteste Museum der Museumsinsel, eigens dafür gebaut, ganze Teile antiker Bauwerke in seinem Inneren aufzunehmen. Den Pergamonaltar selbst, nach dem das Museum benannt ist, habe ich nicht gesehen – der Saal mit dem Altar war schon seit 2014 wegen Sanierung geschlossen.

Das bekannteste Exponat ist das Ischtar-Tor aus Babylon, errichtet unter König Nebukadnezar II. im 6. Jahrhundert v. Chr. Deutsche Archäologen bargen Anfang des 20. Jahrhunderts Tausende Fragmente glasierter Ziegel und setzten das Tor in Berlin neu zusammen. Auf dem leuchtend blauen Hintergrund sieht man Stiere und Drachen, und die zum Tor führende Prozessionsstraße schmücken schreitende Löwen – das Symbol der Göttin Ischtar. Das Tor ist über 2500 Jahre alt.

In den Sälen des Vorderasiatischen Museums stehen außerdem ein Abguss der berühmten Stele mit dem Codex Hammurapi – einer der ältesten schriftlich festgehaltenen Gesetzessammlungen –, assyrische geflügelte Stiere mit Menschenköpfen, die einst die Eingänge der Paläste bewachten, sowie steinerne Wächterlöwen aus alten Städten Syriens und Anatoliens.

Das zweite gigantische Bauwerk ist das römische Markttor von Milet aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. – eine zweigeschossige, etwa 17 Meter hohe Fassade, durch die man in die nächsten Säle gelangt. Davor liegt ein römisches Fußbodenmosaik, ebenfalls aus Milet.

Im Obergeschoss befand sich das Museum für Islamische Kunst. Den Auftakt bildet die riesige, reich verzierte Mschatta-Fassade eines Palastes aus dem heutigen Jordanien aus dem 8. Jahrhundert, die der osmanische Sultan 1903 Kaiser Wilhelm II. schenkte. Hier gibt es auch das Aleppo-Zimmer – ein mit bemaltem Holz getäfelter Empfangsraum aus dem Haus eines syrischen Kaufmanns vom Anfang des 17. Jahrhunderts, in dem sich christliche und islamische Motive vermischen. Dazu kommen Mihrabs aus türkisfarbenen Fliesen, eine Holzkuppel aus der Alhambra in Granada und eine Sammlung orientalischer Teppiche.

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Bode-Museum – Skulpturen, Byzanz und Münzen

Das Bode-Museum steht ganz an der Spitze der Museumsinsel, und seine abgerundete Fassade mit der Kuppel wächst direkt aus dem Wasser. Das Museum wurde 1904 als Kaiser-Friedrich-Museum eröffnet; seinen heutigen Namen trägt es nach seinem ersten Direktor, Wilhelm von Bode. Ich besuchte es im April 2023 im Rahmen des Museumssonntags – am selben Tag wie das Museum für Naturkunde und den Hamburger Bahnhof.

Gleich nach dem Eintreten begrüßt dich unter der Großen Kuppel das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten – eine Kopie des Werks von Andreas Schlüter, dessen Original vor dem Schloss Charlottenburg steht. Dahinter folgen die Säle der Skulpturensammlung vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert, darunter eine hohe Basilika-Halle, die an das Innere einer Renaissancekirche erinnert.

Das wertvollste Stück der byzantinischen Abteilung ist das Apsismosaik aus der Kirche San Michele in Ravenna aus dem 6. Jahrhundert, das im 19. Jahrhundert nach Berlin gebracht wurde. Daneben kannst du gotische Altäre, ein vergoldetes Retabel aus Venedig, Glasfenster und ein repräsentatives Treppenhaus mit Skulpturen bewundern.

Im Bode-Museum befindet sich auch das Münzkabinett – eine der größten Münzsammlungen der Welt, von der Antike bis zur Gegenwart. Zum Schluss landete ich in einem vergoldeten barocken Kabinett mit Kronleuchter, das aussieht, als stamme es aus einem Schloss.

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Museum für Naturkunde – Dinosaurier, Archaeopteryx und Knut

Das Museum für Naturkunde in der Invalidenstraße ist eines der meistbesuchten Museen Berlins – am ersten Sonntag im Monat reichte die Schlange weit über das Gebäude hinaus. Die Hauptattraktion ist der Dinosauriersaal unter dem Glasdach. Dort steht das Skelett eines Brachiosaurus (Giraffatitan brancai) mit einer Höhe von 13,27 m – laut Guinness-Buch der Rekorde das höchste montierte Dinosaurierskelett der Welt. Seine Knochen wurden an der Fundstelle Tendaguru in Tansania ausgegraben – in dem Land, in dem ich 2026 den Kilimandscharo bestiegen habe. Aus Tendaguru stammt auch der stachelige Kentrosaurus.

In einem eigenen, abgedunkelten Saal stand Tristan Otto – eines der am besten erhaltenen Tyrannosaurus-Skelette, mit einem Schädel voller Zähne, vor dem sich immer die Besucher drängten. Der wahre Schatz des Museums ist jedoch eine kleine Kalksteinplatte: das Berliner Exemplar des Archaeopteryx, eines Urvogels von vor etwa 150 Millionen Jahren, das als das am besten erhaltene der Welt gilt.

Die weiteren Säle zeigen die Nasssammlung – Regale voller Gläser mit in Alkohol konservierten Präparaten – sowie ausgestopfte Tiere. Unter ihnen sind zwei Berliner Stars aus dem Zoo: der Eisbär Knut, über den zwischen 2007 und 2011 die ganze Welt sprach, und der Große Panda Bao Bao. Zum Schluss gibt es eine riesige Biodiversitätswand und einen Saal mit Mineralien.

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Hamburger Bahnhof – zeitgenössische Kunst in einem alten Bahnhof

Der Hamburger Bahnhof, ein paar Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt, ist einer der ältesten Bahnhöfe Berlins – 1846 fuhren von hier die Züge nach Hamburg ab. Seit 1996 befindet sich im ehemaligen Bahnhofsgebäude das Museum für Gegenwartskunst der Nationalgalerie. Im Inneren sind die ehemalige Bahnsteighalle mit der gusseisernen Dachkonstruktion und der alte Schriftzug „Hamburger Bhf.“ erhalten.

Die Ausstellungen wechseln alle paar Monate. Im April 2023 erwischte ich die Ausstellung Zineb Sedira „Dreams Have No Titles“, in der die Räume wie Filmsets eingerichtet waren – mit einer Bar, einem Salon voller Bücher und einem Zimmer mit Kamera –, sowie die minimalistischen Installationen von Fred Sandback, die ausschließlich aus im Raum gespannten Fäden bestehen.

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Deutsches Technikmuseum – Züge, Flugzeuge und der erste Computer

Das Deutsche Technikmuseum in Kreuzberg erkennt man schon von Weitem – auf dem Dach des Neubaus hängt das amerikanische Transportflugzeug C-47, ein sogenannter „Rosinenbomber“, das an die Luftbrücke nach West-Berlin von 1948–1949 erinnert. Ich war im März 2023 hier, und man kann drinnen ohne Weiteres einen ganzen Tag verbringen.

Das Museum entstand auf dem Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofs, und sein Herzstück sind zwei denkmalgeschützte Lokschuppen mit Dutzenden Lokomotiven und Waggons – von Dampfloks mit roten Rädern über alte Züge der Berliner S-Bahn bis zu stromlinienförmigen Triebwagen. Unter ihnen steht auch ein Güterwagen, der an die Deportationen von Juden mit der Bahn während des Zweiten Weltkriegs erinnert.

Interessant ist die Abteilung über Konrad Zuse mit einem Nachbau der Z1 – eines mechanischen Computers, der 1936–1938 in Berlin gebaut wurde, Vorläufer der Z3, die als erster funktionsfähiger programmierbarer Computer gilt. Im Neubau gibt es Flugzeuge, unter anderem eine Junkers Ju 52 in Lufthansa-Farben, sowie eine Schifffahrtsabteilung mit Modellen von Segelschiffen und einem echten Schlepper.

Dazu kommen Ausstellungen über Fotografie, Telekommunikation und Computer, eine Halle mit Autos – vom Citroën 2CV bis zum roten Maserati – sowie ein Museumspark mit Windmühlen, einem Wasserrad und einem Lokschuppen mit Drehscheibe. Nebenan befindet sich das interaktive Science Center Spectrum, das besonders bei Familien mit Kindern beliebt ist.

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Tränenpalast – Museum am ehemaligen Grenzübergang

Am Bahnhof Friedrichstraße steht ein unscheinbarer, verglaster Pavillon, der Tränenpalast genannt wird. Ab 1962 befand sich hier die Grenzabfertigung für Reisende, die von Ost-Berlin in den Westen ausreisten. DDR-Bürger konnten ihre Angehörigen nur bis hierher begleiten – daher die Abschiedstränen und der Name. Heute zeigt das Gebäude eine kostenlose Ausstellung über das geteilte Deutschland und den Alltag an der Grenze. Ich schaute im Januar 2023 mit Artur vorbei, der für ein Konzert nach Berlin gekommen war.

Du kannst die originalen Kabinen der Passkontrolle betreten, eine Tafel mit den Wechselkursen in der DDR und ein Modell des Bahnhofs Friedrichstraße ansehen, durch den die Grenze verlief. Einen polnischen Akzent setzen eine Fahne und Abzeichen der „Solidarność“ – die Bewegung in Polen machte auch der Opposition in der DDR Mut.

Weitere Orte, die mit der Teilung der Stadt zu tun haben, beschreibe ich im Beitrag Berlin: auf den Spuren der Berliner Mauer.

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Sea Life und AquaDom

Zum Schluss etwas zur Abwechslung: das Sea Life Berlin in der Spandauer Straße, ein Aquarium mit Fischen aus Europas Flüssen und Seen, einem Korallenriff und großen Meeresbecken. Ich war im November 2019 dort. Die Attraktion des ganzen Komplexes war damals der AquaDom – ein 16 Meter hohes zylindrisches Aquarium in der Lobby des benachbarten Hotels. Am 16. Dezember 2022 platzte das Aquarium, und das auslaufende Wasser und die Glassplitter zerstörten die Lobby und einen Teil der Straße. Das Sea Life wurde im Mai 2023 wiedereröffnet, aber schon ohne AquaDom.

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Praktische Informationen

  • Den Museumssonntag gibt es nicht mehr – der freie Eintritt in mehrere Dutzend Museen am ersten Sonntag im Monat (nach Reservierung eines kostenlosen Tickets eine Woche vorher) endete am 1. Dezember 2024, weil die Stadt ihn nicht mehr finanzierte. Ausführlicher beschreibe ich das im Beitrag Berlin: Sehenswürdigkeiten.
  • Kostenlos – der Tränenpalast ist jeden Tag gratis, und Besucher unter 18 Jahren haben freien Eintritt in die staatlichen Museen (auch auf der Museumsinsel).
  • Pergamonmuseum – seit Oktober 2023 wegen Sanierung geschlossen. Die Eröffnung des Nordflügels mit dem Pergamonaltar und dem Museum für Islamische Kunst ist für den 4. Juni 2027 angekündigt. Das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße (Südflügel) werden wir wahrscheinlich erst um 2037 sehen.
  • Museumsinsel – wenn du mehrere Museen auf der Insel an einem Tag planst, schau dir das Kombiticket für die ganze Insel an; es ist meist günstiger als einzelne Tickets.
  • Wie viele Museen am Tag – realistisch drei kleinere oder zwei große. Das Technikmuseum ist ein Thema für einen ganzen Tag.
  • Montags – die meisten hier beschriebenen Museen (u. a. Bode-Museum, Museum für Naturkunde, Hamburger Bahnhof, Technikmuseum, Tränenpalast) sind montags geschlossen.
  • Anfahrt – das Museum für Naturkunde hat eine eigene U-Bahn-Station (U6 Naturkundemuseum), der Hamburger Bahnhof liegt ein paar Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, zum Technikmuseum kommst du am schnellsten von den Stationen Gleisdreieck oder Möckernbrücke, und der Tränenpalast steht am Bahnhof Friedrichstraße.
  • Öffnungszeiten und Preise – sie ändern sich, deshalb lohnt es sich, sie vor dem Besuch auf den Websites der Museen zu prüfen; für viele Ausstellungen sind Online-Tickets günstiger oder garantieren den Eintritt ohne Schlange.

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