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Ort: Europa  PolenReisejahr: 2011, 2013~9 Min. Lesezeit

Zwischen 2011 und 2013 bin ich mehrmals mit dem Rad von Allenstein (Olsztyn) zu längeren Touren durch das Ermland und Masuren aufgebrochen. Die längste Tour dauerte vier Tage: Im August 2011 umrundeten Michał, Jakub und ich mit Packtaschen und Zelt Masuren – über Sensburg (Mrągowo), Nikolaiken (Mikołajki), Lötzen (Giżycko) und Heiligelinde (Święta Lipka). Die übrigen Strecken sind Tagesrunden aus dem Jahr 2013 – mit Michał über Guttstadt (Dobre Miasto), mit Tomek nach Osterode (Ostróda) und mit Piotr über Hohenstein (Olsztynek). Zwei davon waren über 100 km lang. Meine erste solche Runde bin ich mit Piotr schon am 30. Juli 2011 gefahren – über Wrzesina, am Isąg-See entlang und über Dietrichswalde (Gietrzwałd) –, doch von dieser Tour sind mir nur Screenshots der Karte geblieben. Alle Touren in diesem Beitrag begannen und endeten in Allenstein.

Inhaltsverzeichnis

  1. Masuren 2011, Tag 1–2: Sensburg, Nikolaiken und Lötzen
  2. Masuren 2011, Tag 3–4: Rastenburg, Heiligelinde, Rößel und Bischofsburg
  3. Runde über Guttstadt und Jonkowo (Juni 2013, 103 km)
  4. Nach Osterode und über Locken zurück (August 2013, 120 km)
  5. Hohenstein und die Seen südlich von Allenstein (August 2013)
  6. Praktische Informationen

Masuren 2011, Tag 1–2: Sensburg, Nikolaiken und Lötzen

Wir starteten am Freitagmorgen, dem 26. August 2011 – zu dritt, Michał, Jakub und ich, mit Packtaschen, Isomatten und einem Zelt. Von Allenstein fuhren wir auf Nebenstraßen nach Osten: über Silice, Patryki, Prejłowo und Gilawy nach Rumy und weiter über Dźwierzuty, Targowo und Rybno Richtung Sensburg.

Mittags machten wir an einem Teich in einem der Dörfer Pause, und kurz nach vier Uhr nachmittags waren wir in Sensburg. Die Stadt liegt zwischen den Seen Czos und Juno und ist unter anderem für das Country-Festival „Piknik Country“ bekannt.

Die erste Nacht verbrachten wir ein paar Kilometer hinter Sensburg, an der Straße Nr. 16 Richtung Nikolaiken. Wir bauten das Zelt auf einer Wiese direkt am Seeufer auf, und am Morgen sah der Blick aus dem Zelt so aus.

Am zweiten Tag erreichten wir Nikolaiken. Das Städtchen liegt am Nikolaiker See, und ein paar Kilometer weiter beginnt der Spirdingsee (Śniardwy) – der größte See Polens mit rund 113 km². Wir hielten auf der Brücke, von der man den Hafen und die Boote auf dem See sieht, und danach am Ortsschild.

Von Nikolaiken fuhren wir nach Osten, über Stawek nach Tuchlin am Spirdingsee, und bogen dann nach Norden ab: über Grabówka, Olszewo, Szymonka und Jagodne Wielkie nach Lötzen. Ein Teil des Weges führte auf altem Kopfsteinpflaster durch den Wald.

In Lötzen, das zwischen dem Löwentinsee (Niegocin) und dem Kisajno-See liegt, kamen wir vor dem Abend an. Die zweite Nacht verbrachten wir unter einem Dach – in einer Garage.

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Masuren 2011, Tag 3–4: Rastenburg, Heiligelinde, Rößel und Bischofsburg

Am dritten Tag, dem 28. August, brachen wir von Lötzen nach Westen auf. Über Bogacko kamen wir nach Rastenburg (Kętrzyn) und von dort auf Nebenstraßen über Biedaszki nach Heiligelinde.

Heiligelinde ist einer der wichtigsten Marienwallfahrtsorte im Ermland. Die barocke Basilika wurde 1687–1693 erbaut, und zur Kirche führt ein reich verziertes schmiedeeisernes Tor. Berühmt ist der Wallfahrtsort auch für seine Orgel mit beweglichen Figuren. 2011 wurde die Fassade renoviert und stand im Gerüst. 2025 kam ich am Ziel einer Autostopp-Rallye wieder hierher – darüber schreibe ich im Beitrag Autostopp-Rallye nach Heiligelinde.

Am Abend fuhren wir durch Rößel (Reszel) – ein Städtchen mit der gotischen Burg der ermländischen Bischöfe – und erreichten nach Einbruch der Dunkelheit das Dorf Bęsia. Dort bauten wir auf einer Wiese am See zum zweiten Mal das Zelt auf.

Am Morgen des 29. August bauten wir das Lager ab und saßen noch eine Weile am See.

Die letzte Etappe führte über Bischofsburg (Biskupiec) und Biedowo zurück nach Allenstein. In vier Tagen fuhren wir die Runde Allenstein – Sensburg – Nikolaiken – Lötzen – Rastenburg – Heiligelinde – Rößel – Bischofsburg – Allenstein, mit drei Übernachtungen: zwei im Zelt an Seen und eine unter einem Dach in Lötzen.

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Runde über Guttstadt und Jonkowo (Juni 2013, 103 km)

Fast zwei Jahre später, am Dienstag, dem 25. Juni 2013, fuhr ich mit Michał eine Tagesrunde nördlich und westlich von Allenstein. Es wurden 103 km. Das Wetter wechselte mehrmals: Vor Guttstadt regnete es, in der Stadt selbst kam die Sonne heraus, und am Nachmittag erwischte uns in der Gegend von Kiewry ein Gewitter mit Hagel.

Von Allenstein fuhren wir nach Norden über Słupy und Gady nach Tuławki und weiter über Gradki, Jesionowo und Podleśna nach Guttstadt (Dobre Miasto). An der Ortseinfahrt steht ein braunes Schild mit drei Sehenswürdigkeiten der Stadt: der gotischen Kollegiatkirche, einer Kirche aus dem 19. Jahrhundert und dem Storchenturm.

Von Guttstadt bogen wir nach Westen ab, über Kwiecewo. Hinter Kwiecewo hatte Michał einen Platten und wechselte den Schlauch am Straßenrand. Dann ging es über Jankowo, Świątki, Kłobia und Kiewry nach Mostkowo, wo wir am Dorfladen eine längere Pause machten.

In Mostkowo hielten wir noch an einem eingestürzten Haus aus rotem Backstein. Den letzten Abschnitt – über Gamerki, Stare und Nowe Kawkowo, Pupki und Jonkowo – fuhren wir im Regen, und am Abend waren wir zurück in Allenstein.

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Nach Osterode und über Locken zurück (August 2013, 120 km)

Am Donnerstag, dem 8. August 2013, fuhr ich mit Tomek nach Osterode. Die Runde war 120 km lang: hin auf der Landesstraße Nr. 16 über Dietrichswalde, zurück auf Nebenstraßen über Locken (Łukta) und Jonkowo. Den ersten Halt machten wir in Dietrichswalde (Gietrzwałd).

Dietrichswalde ist der wichtigste Marienwallfahrtsort des Ermlands. Vom 27. Juni bis 16. September 1877 soll hier zwei Mädchen, Justyna Szafryńska und Barbara Samulowska, die Muttergottes erschienen sein und auf Polnisch zu ihnen gesprochen haben – zur Zeit des Kulturkampfs, als im Ermland Deutsch Amtssprache war. 1977 erkannte der ermländische Bischof Józef Drzazga die Erscheinungen an. Es sind die einzigen Marienerscheinungen in Polen, die von der Kirche offiziell anerkannt sind. In Dietrichswalde war ich schon früher, im Frühjahr 2011. Damals fotografierte ich die Basilika über die Felder hinweg und die Kapelle an der Quelle, die die Muttergottes der Überlieferung nach für die Kranken gesegnet hat.

Hinter Dietrichswalde kamen wir an einem Schild „Grenze Masurens“ vorbei und erreichten über Podlejki, Rapaty und Zawady Małe Osterode (Ostróda). Die Stadt liegt am Drewenzsee. Ein braunes Schild an der Einfahrt zeigt die Ordensburg aus dem 14. Jahrhundert, die Schleuse und den Hafen der Schiffe, die auf dem Oberländischen Kanal fahren. Wir ruhten uns auf der Uferpromenade aus.

Von Osterode fuhren wir nach Norden über Szeląg, Białka, Ruś und Zawroty und dann nach Osten über Florczaki und Nowe Ramoty nach Locken. Am Kreisverkehr in Locken zeigten die Wegweiser schon nach Allenstein. Nach einer Essenspause ging es über Komorowo und Mostkowo nach Gamerki, wo eine Kuhherde die Straße überquerte.

Zwischen Pupki und Jonkowo stießen wir auf die Folgen eines Gewitters, das kurz zuvor durchgezogen war. Auf der Straße lagen abgebrochene Äste und ganze Bäume, und einer davon versperrte den Asphalt auf voller Breite. Die letzten Kilometer nach Allenstein fuhren wir im Regen.

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Hohenstein und die Seen südlich von Allenstein (August 2013)

Eine Woche später, am Samstag, dem 17. August 2013, brach ich mit Piotr nach Süden auf. Wir fuhren früh los – um halb acht passierten wir das Schild „Olsztyn verabschiedet seine Gäste“. Über Wymój und Wilkowo kamen wir nach Hohenstein (Olsztynek).

Hohenstein ist eine kleine Stadt mit Marktplatz und Rathaus. Am Stadtrand liegt ein Freilichtmuseum – das Museum für Volksbauweise. Hinter der Stadt fuhren wir unter einem alten Eisenbahnviadukt hindurch und bogen nach Osten ab, über Jemiołowo und Kunki nach Maróz.

Vor Maróz lag eine Blindschleiche auf dem Asphalt – eine beinlose Echse, die man leicht für eine Schlange hält. Weiter führte die Strecke an Seen vorbei: über Maróz und Bolejny nach Wólka Orłowska, wo es am See einen kleinen Strand gibt.

Dann fuhren wir durch das Dorf Łyna – in der Nähe liegen die Quellen der Łyna (Alle), desselben Flusses, der durch Allenstein fließt. Über Orłowo, Wikno und Jabłonka drehten wir nach Norden. Hinter Zgniłocha kamen wir an einem Storchennest auf einem Mast vorbei, und über Nowa Kaletka, Butryny und Bartąg waren wir vor vier Uhr nachmittags zurück in Allenstein.

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Praktische Informationen

  • Ausgangspunkt: Allenstein eignet sich gut als Start – wenige Kilometer vom Zentrum beginnen Wälder und Seen, und Runden von 100–120 km über Guttstadt, Osterode oder Hohenstein schafft man an einem Tag.
  • Straßen: Am schönsten fährt man auf Nebenstraßen durch die Dörfer. Die Landesstraße Nr. 16 hat viel Autoverkehr, mit dem Rad meidest du sie besser. In Masuren gibt es noch Abschnitte mit altem Kopfsteinpflaster – mit voll beladenen Packtaschen kommst du dort nur langsam voran.
  • Zelten: Im Wald darfst du nur an ausgewiesenen Stellen übernachten, zum Beispiel im Rahmen des Programms „Zanocuj w lesie“ (Übernachte im Wald) der Staatsforsten. Auf einer Wiese oder am See frag den Grundbesitzer.
  • Reparaturen: Nimm einen Ersatzschlauch, Flicken und eine Pumpe mit – in den kleinen Dörfern gibt es keine Fahrradwerkstätten.
  • Wetter: Im Sommer ziehen Gewitter im Ermland und in Masuren schnell auf. Prüf die Vorhersage und hab eine Regenjacke dabei.
  • Mehr mit dem Rad: mit dem Rad von Marienburg nach Allenstein, mit dem Rad zur Pyramide in Rapa (Radweg Green Velo) und mit dem Rad durch die Region Suwałki und Podlachien. Allenstein selbst beschreibe ich im Beitrag Allenstein – Sehenswürdigkeiten.

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