Zum Inhalt springen Zur Seitenleiste springen Zur Fußzeile springen
Ort: Europa  PolenReisejahr: 2023

Im Juni 2023 kehrten wir in die Sudeten zurück, um zu Ende zu bringen, was wir ein Jahr zuvor begonnen hatten. Damals hatten wir – unter winterlichen Bedingungen – das Isergebirge durchquert, aber ein Schneesturm unterhalb des Reifträgers (Szrenica) zwang uns zur Umkehr, und die Schneekoppe musste warten. Diesmal, in etwas anderer Besetzung – zu viert, mit Michał und Jarek –, starteten wir in Schreiberhau (Szklarska Poręba), und als Ziel legten wir Waldenburg (Wałbrzych) fest. In 6 Tagen (13.–18. Juni) liefen wir 135 km auf dem rot markierten Sudeten-Hauptwanderweg (Główny Szlak Sudecki), im Schnitt etwa 22 km pro Tag.

Inhaltsverzeichnis

  1. Plan, Tempo und Unterkünfte
  2. Tag 1: Zackelfall, Reifträger und Schneegruben
  3. Tag 2: Schneekoppe im Nebel und Abstieg nach Krummhübel
  4. Tag 3: von Krummhübel über den Landeshuter Kamm (32 km)
  5. Tage 4–5: über die Grenze in die Adersbacher Felsenstadt
  6. Tag 6: Hochwald und Ziel in Waldenburg
  7. Die Krone der polnischen Berge und ein Fazit
  8. Praktische Informationen

Plan, Tempo und Unterkünfte

Unser Ziel war es, auf dem (roten) Sudeten-Hauptwanderweg zu bleiben. Wir verließen ihn nur zweimal: um die Adersbacher Felsenstadt auf tschechischer Seite zu besuchen und am letzten Tag, als wir schon direkt „Richtung Waldenburg“ gingen. Das Tempo war nicht mörderisch – wir hielten uns an den Plan, und abends blieb oft Zeit für ein Bier und Karten. Es war aber unsere erste mehrtägige Wanderung mit vollem Gepäck, also für uns eine neue Herausforderung.

Wir schliefen an verschiedenen Orten: drei Nächte in Apartments, eine in der Baude „Odrodzenie“ am Spindlerpass und zwei in einer Holzhütte in Tschechien. Die meisten Kilometer machten wir am dritten Tag (etwa 32 km von Krummhübel nach Leszczyniec), die meisten Höhenmeter am ersten (etwa 1100 m).

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Tag 1: Zackelfall, Reifträger und Schneegruben

Von Schreiberhau ging es das Tal des Zacken hinauf. Erster Halt war der Zackelfall (Wodospad Kamieńczyka) – der höchste Wasserfall im polnischen Teil des Riesengebirges, der in eine enge, grüne Schlucht stürzt.

Danach wartete der Aufstieg auf den Reifträger – genau den, unter dem uns ein Jahr zuvor der Schneesturm zur Umkehr gezwungen hatte. Diesmal kamen wir ohne Probleme hinauf, und an der Baude auf dem Gipfel begrüßte uns … ein Fuchs, den die Wanderer völlig kaltließen.

Vom Reifträger führt der Weg über den breiten Kamm des Riesengebirges, entlang der polnisch-tschechischen Grenze, zu den Schneegruben – Gletscherkaren, deren steile Wände über 200 m tief abfallen. Das ist einer der schönsten Abschnitte der ganzen Route.

Hinter dem Hohen Rad stiegen wir über einen steinigen Pfad zum Spindlerpass ab. Einen Teil des Tages liefen wir zwischen zwei großen, schwarzen Wolken, aus denen Donnergrollen kam – zum Glück fing der richtige Regen erst an, als wir schon in der Baude „Odrodzenie“ saßen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Tag 2: Schneekoppe im Nebel und Abstieg nach Krummhübel

Morgens hatte man von der Baude eine schöne Aussicht, doch je höher wir kamen, desto dichter wurde der Nebel – der zweite Tag war der einzige mit schlechter Sicht. An der Kleinen Sturmhaube liefen wir schon in der Wolke.

Vom Schlesierhaus stiegen wir auf die Schneekoppe (1603 m) – den höchsten Gipfel des Riesengebirges und der gesamten Sudeten. Wir hatten Glück: Der Nebel verschwand genau in dem Moment, als wir oben ankamen, und so sahen wir ein herrliches Panorama – auch auf die tschechische Seite des Gebirges.

Von der Schneekoppe stiegen wir auf dem roten Weg nach Krummhübel (Karpacz) ab. Nach dem Abstieg erwischte uns einer der heftigsten Regengüsse der ganzen Wanderung.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Tag 3: von Krummhübel über den Landeshuter Kamm (32 km)

Der dritte Tag war der längste – etwa 32 km von Krummhübel nach Leszczyniec. In Krummhübel kamen wir an der Kirche Wang vorbei – einer kleinen Stabkirche, die im 19. Jahrhundert aus Norwegen hierher versetzt wurde –, danach liefen wir lange durch die Wälder nördlich des Ortes.

Hinter dem Riesengebirge führt der Weg in den Landeshuter Kamm (Rudawy Janowickie). Sein höchster Gipfel, der Skalnik (945 m), ist ein weiterer Punkt für die Krone der polnischen Berge – bescheiden und bewaldet, aber für uns wichtig. Unterwegs kamen wir an Wiesen und Weiden vorbei.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Tage 4–5: über die Grenze in die Adersbacher Felsenstadt

Vom Landeshuter Kamm liefen wir in die Gegend des Steingebirges und weiter über die Grenze nach Tschechien – der Wegweiser Chełmsko Śląskie – Libná steht kurz davor. Auf tschechischer Seite führt der Weg über weite Lichtungen und Wiesen.

Der Hauptgrund für diesen Abstecher war die Adersbacher Felsenstadt (Adršpašsko-teplické skály) – ein Labyrinth aus Sandsteintürmen, Schluchten und engen Durchgängen. Der Eintritt kostete umgerechnet etwa 9 €, und die Tickets musste man online für eine bestimmte Uhrzeit kaufen. Hat es sich gelohnt? Ja. War es sein Geld wert? Da wären die Meinungen wohl geteilt. Ausgerechnet in der Felsenstadt regnete es am stärksten auf der ganzen Reise.

Auf dem Rundweg liegen unter anderem der See Pískovna, ein gotisches Eingangstor und Felsen, die nach dem benannt sind, woran sie erinnern – wie die „Elefanten“. Am spannendsten sind aber die engsten Durchgänge, durch die ein Mensch mit Rucksack gerade so durchpasst.

Zwei Nächte verbrachten wir in einer Holzhütte der Anlage Skalní Mlýn in Adršpach. Die Preise in Tschechien waren für uns erschwinglich – für etwa 7 € bekam man ein Mittagessen mit Bier.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Tag 6: Hochwald und Ziel in Waldenburg

Der letzte Tag hatte das schönste Wetter: viel Sonne, über 20 Grad und kein Tropfen Regen. Zuerst liefen wir wieder an der polnisch-tschechischen Grenze entlang, dann bogen wir „Richtung Waldenburg“ ab – auf Waldwegen mit ein paar steilen Ab- und Aufstiegen.

Der letzte Gipfel war der Hochwald (Chełmiec, 850 m) im Waldenburger Bergland – mit Aussichtsturm und Sendemast, hoch über Waldenburg. Von dort ging es nur noch hinunter in die Stadt, und die zweite Etappe war geschafft.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Die Krone der polnischen Berge und ein Fazit

Außer dem Riesengebirge durchquerten wir den Landeshuter Kamm, das Waldenburger Bergland und einen Teil des Steingebirges, auf tschechischer Seite den Rand des Heuscheuergebirges. Dadurch kamen drei Gipfel der Krone der polnischen Berge (der höchsten Gipfel der polnischen Gebirge) dazu: Schneekoppe, Skalnik und Hochwald (vorher hatten wir schon unter anderem die Meeraugspitze (Rysy) und die Wysoka Kopa).

Das Wetter war durchschnittlich, aber sicher nicht schlecht: Außer am letzten Tag gab es jeden Tag Schauer, am meisten in der Felsenstadt und nach dem Abstieg von der Schneekoppe, und die Sicht war meist gut. Die nächste Etappe des Sudeten-Hauptwanderwegs beginnen wir wohl in Waldenburg.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Praktische Informationen

  • Route: Schreiberhau – Reifträger – Schneegruben – Spindlerpass – Schneekoppe – Krummhübel – Landeshuter Kamm (Skalnik) – Leszczyniec – Adršpach (Tschechien) – Hochwald – Waldenburg; 135 km in 6 Tagen. Der erste Teil des Weges: Bad Flinsberg – Schreiberhau im Winter.
  • Unterkünfte: 3 Nächte in Apartments, 1 in der Baude „Odrodzenie“ am Spindlerpass, 2 in einer Holzhütte in Adršpach.
  • Adersbacher Felsenstadt: etwa 9 € (2023), Tickets online für eine bestimmte Uhrzeit.
  • Preise in Tschechien: Mittagessen mit Getränk etwa 7 € (2023).
  • Gepäck: wir liefen mit vollem Gepäck – bei etwa 22 km am Tag blieb abends Zeit zum Ausruhen, aber den dritten Tag (32 km) haben wir gespürt.
  • Wetter: im Juni muss man im Riesengebirge mit Gewittern und Nebel auf dem Kamm rechnen – eine Regenjacke solltest du griffbereit haben.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Hat dir der Artikel gefallen?

Bleib mit mir auf Reisen – folge mir dort, wo es dir am besten gefällt.