
Am 3. Mai 2024 flogen wir nach fast zwei Wochen in Panama-Stadt nach Kolumbien. Wir waren der Meinung, dass es von Panama nur einen vernünftigen Weg weiter gibt – mit dem Flugzeug – und kauften Tickets bei Wingo. So begann der zweite Teil unserer Reise durch Lateinamerika – Südamerika. Erster Punkt auf der Kolumbien-Karte war Cartagena (Cartagena de Indias): eine Hafenstadt mit einer von Mauern umgebenen kolonialen Altstadt, der mächtigen Festung San Felipe, dem bunten Viertel Getsemaní und einem Park, in dem Faultiere in den Baumkronen über den Köpfen der Passanten schlafen.
Wir blieben bis zum 7. Mai. Von Anfang an gefielen uns die relativ niedrigen Preise, gestört haben uns dagegen Abzocker und aufdringliche Verkäufer. Trotzdem ist Cartagena einen Besuch wert – die Stadt hat eine reiche, wenn auch oft schmerzhafte Geschichte, eine wunderschöne Altstadt und schöne Strände. Von Cartagena ging es weiter die Küste entlang nach Santa Marta und in den Nationalpark Tayrona.
Inhaltsverzeichnis
- Anflug aus Panama und erste Eindrücke
- Piraten und 11 Kilometer Stadtmauer
- Castillo San Felipe de Barajas
- Die Altstadt – Torre del Reloj und Plaza de los Coches
- Palenqueras und die Geschichte der entflohenen Sklaven
- Parque del Centenario – Faultiere und Tití-Äffchen
- Getsemaní – Wandbilder, Schirme und Abende auf der Straße
- Bocagrande und Sonnenuntergänge
- Praktische Informationen
- Fazit
Anflug aus Panama und erste Eindrücke
Von Panama-Stadt flogen wir mit Wingo. Wir wählten die Airline, weil im Ticketpreis eine Änderung von Datum oder Ziel enthalten war und die Preise unabhängig vom Termin gleich blieben. Kurz vor der Landung sah man aus dem Flugzeugfenster Inseln und türkisfarbene Untiefen vor der kolumbianischen Küste.

Die Währung Kolumbiens ist der kolumbianische Peso (COP): Im Mai 2024 waren 1000 COP ungefähr 0,23 € wert. Kolumbianische Pesos kann man auch auf der Revolut-Karte halten, was die Sache zusätzlich erleichtert.
Schwieriger ist es mit den Leuten. In Cartagena sind Verkäufer und Schlepper bis zur Übertreibung aufdringlich – es reicht, kurz stehen zu bleiben oder an einem Stand vorbeizugehen, und schon wird man „angegriffen“. Musiker, die für eine größere Menge spielen, sind nicht aufdringlich, aber es kommt vor, dass jemand herankommt und ungefragt zu rappen beginnt, und weil es ein „Privatkonzert“ war, will er am Ende Geld. Das passierte uns gleich am ersten Tag. Wir hatten noch kein Bargeld, also schlugen die Rapper vor, wir sollten welches am Automaten abheben. Solche Künstler verabschiedest du am besten schnell und bestimmt.
Piraten und 11 Kilometer Stadtmauer
Die Spanier gründeten Cartagena im Jahr 1533. Die Stadt wurde schnell zu einem wichtigen Hafen, von dem aus u. a. Silber aus dem heutigen Bolivien nach Spanien verschifft wurde. Wegen ihres Reichtums fiel die Stadt mehrmals Piraten zum Opfer. Doch erst die Plünderung Cartagenas durch den englischen Befehlshaber Francis Drake im Jahr 1586 brachte die Spanier dazu, die Verteidigung ernst zu nehmen. Man holte Ingenieure aus Europa, die den Bau eines ganzen Systems von Befestigungen überwachten, das die Stadt vor weiteren Angriffen schützen sollte.
Der erste größere Teil der Mauern war die Baluarte de Santo Domingo, die Bastion Santo Domingo. Mit ihrem Bau wurde 1602 an der Stelle begonnen, an der Drakes Truppen in die Stadt eingedrungen waren. Heute gibt es oben auf der Bastion das Café Café del Mar, und von den Mauern sieht man zwischen alten Kanonen die Hochhäuser des modernen Viertels Bocagrande.

Von den alten Befestigungen ist bis heute sehr viel erhalten – zusammen mit dem ganzen historischen Viertel sind sie eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Cartagenas. Allein die Mauern sind rund 11 Kilometer lang. Entlang eines Abschnitts ziehen sich die gelben Arkaden von Las Bóvedas.

Castillo San Felipe de Barajas
Der beeindruckendste Teil der Befestigungen Cartagenas ist die Festung Castillo San Felipe de Barajas, die sich auf einem Hügel außerhalb der Altstadt erhebt. Die Festung wurde nach und nach ausgebaut und erhielt ihr heutiges, massives Aussehen in den 1760er-Jahren. Der Eintritt kostete 33.000 COP (ca. 8 €).

Die Festung sieht man auch gut von Weitem, über das Wasser hinweg.

Die Altstadt – Torre del Reloj und Plaza de los Coches
In das historische Viertel gelangt man durch das Tor unter dem Uhrturm Torre del Reloj. Gleich dahinter zeigt sich als Erstes die Plaza de los Coches, umgeben von bunten Häusern mit Arkaden. Hier fand einst der Sklavenhandel statt – Cartagena war ein äußerst wichtiges Zentrum des Handels mit Menschen, die aus Afrika verschleppt wurden.


Danach kannst du einfach drauflosgehen. Die Altstadt ist ein Gewirr aus Gassen mit bunten Häusern, Holzbalkonen und Blumen, über denen Kirchtürme aufragen – u. a. die der Kirche San Pedro Claver und der Kathedrale. Wir stießen auch auf ein altes Cabrio, das hervorragend zu den Kolonialhäusern passte.


Die Geschichte Cartagenas ist mit Leid erkauft – nicht nur mit dem der Sklaven, die die Spanier ins Land brachten. Die Bewohner träumten von der Unabhängigkeit, die 1811 möglich wurde. Vier Jahre später, 1815, belagerten die Spanier die Stadt drei Monate lang. Damals kam etwa ein Drittel der Bevölkerung ums Leben. Die hungernden Bewohner mussten Hunde, Katzen, Pferde und sogar Ratten essen, und geschwächt konnten sie die Toten nicht begraben, was die rasche Ausbreitung von Krankheiten begünstigte. Heute erinnert u. a. das Reiterstandbild von Simón Bolívar auf der Plaza de Bolívar an den Unabhängigkeitskampf.

Palenqueras und die Geschichte der entflohenen Sklaven
Das Erbe jener Zeit sieht man in Cartagena bis heute – hier leben viele Afrokolumbianer. In den Straßen der Altstadt und von Getsemaní begegnet man auch den Palenqueras: Frauen in bunten Kleidern, oft in den Farben Kolumbiens, mit Schüsseln voller Obst (oder Obstattrappen). Ihre Kleidung erinnert an die versklavten Frauen, denen die Flucht gelang.
Entflohene Sklaven gründeten eigene Siedlungen, sogenannte Palenques, die von einer Mauer umgeben waren und in weniger besiedelten Gegenden lagen. Dort pflegten sie ihre Traditionen, und die Frauen sammelten, um zu überleben, Früchte und verkauften sie. Du kannst die Palenqueras fotografieren, für ein gestelltes Foto zusammen mit ihnen musst du aber bezahlen.
Parque del Centenario – Faultiere und Tití-Äffchen
Direkt neben dem historischen Zentrum, hinter einem gelben Tor am Camellón de los Mártires, liegt der Parque del Centenario. Statt Baudenkmälern gibt es hier Attraktionen anderer Art – Tiere, vor allem Faultiere, Tití-Äffchen und Leguane. Wir haben alle gesehen, darunter gleich drei süße Faultiere.

Die Faultiere entdeckten wir hoch oben in den Baumkronen, wo sie zusammengerollt zwischen den Ästen schliefen, die Tití-Äffchen an Stämmen und Ästen.


Getsemaní – Wandbilder, Schirme und Abende auf der Straße
Auf der anderen Seite des Parks liegt das Viertel Getsemaní, in dem früher die Armen lebten. Heute ist es ein Künstlerviertel: Hier werden handgemachte Dinge und Bilder verkauft, die Wände sind mit Wandbildern bedeckt, und über den Gassen hängen bunte Schirme, Flaggen und Wimpel. Man kann sagen, dass Cartagena dadurch zu einer der „instagrammablesten“ Städte wird.




Gegen Abend versammeln sich die Leute auf dem Platz an der Kirche Trinidad. Nach Einbruch der Dunkelheit leuchten Lichterketten und Lampions in den Gassen, und die Lokale stellen Tische nach draußen.

Bocagrande und Sonnenuntergänge
Cartagena ist nicht nur die koloniale Altstadt. Von den Mauern und Uferpromenaden sieht man eine ganz andere Stadt – die Hochhäuser des Viertels Bocagrande, die sich am Strand entlangziehen. Der Kontrast zu den niedrigen Häusern der Altstadt ist beeindruckend.


Abends lohnt es sich, einen Platz mit Blick nach Westen zu suchen – die Sonne versinkt direkt in der Karibik.

Am 7. Mai fuhren wir weiter nach Santa Marta und in den Nationalpark Tayrona.
Praktische Informationen
- Anreise aus Panama – mit dem Flugzeug. Wir flogen von Panama-Stadt nach Cartagena mit Wingo; im Ticketpreis war eine Änderung von Datum oder Ziel enthalten (Stand Mai 2024).
- Währung – kolumbianischer Peso (COP); im Mai 2024 waren 1000 COP etwa 0,23 €. Pesos kann man auf der Revolut-Karte halten, damit bezahlen und am Automaten Bargeld abheben.
- Preise – relativ niedrig, was uns von Anfang an positiv überrascht hat.
- Castillo San Felipe de Barajas – Eintritt 33.000 COP (ca. 8 €, Mai 2024).
- Schlepper und Verkäufer – sehr aufdringlich. Pass auf Straßenrapper auf, die nach dem „Auftritt“ Geld verlangen; für ein gestelltes Foto mit einer Palenquera musst du zahlen.
- Sicherheit – uns ist nichts passiert. An touristischen Orten muss man mit kleineren Diebstählen rechnen, und vor der Buchung einer Unterkunft solltest du prüfen, welche Viertel sicher sind. Pass auf Handy und Bargeld auf, trag keine teure Ausrüstung oder Schmuck zur Schau und lauf nach Einbruch der Dunkelheit nicht zu viel herum.

Fazit
Cartagena hat bei uns gemischte Gefühle hinterlassen. Die Altstadt ist wunderschön, die Mauern und die Festung San Felipe zeigen die bewegte Geschichte der Stadt sehr gut, Getsemaní begeistert mit seinen Wandbildern, und die Faultiere im Parque del Centenario sind eine schöne Überraschung mitten in der Stadt. Andererseits sind wir nirgendwo zuvor so aufdringlichen Schleppern und Verkäufern begegnet wie an der kolumbianischen Karibikküste. Trotzdem lohnt sich die Reise hierher auf jeden Fall – nur mit Geduld und einem bestimmten „no, gracias“ im Gepäck.



























